Lärmschutz

Für Besucher, Beschäftigte und Anwohner
Lärmschutz

Lärmschutz wird oftmals unterschätzt. Letztendlich kann eine Schädigung durch Lärm aber auch eine strafbare Körperverletzung sein; daher sollte das Thema Lärmschutz nicht vernachlässigt werden.

Lärmschutz für mehrere Beteiligte

Zu unterscheiden ist der Lärmschutz für Arbeitnehmer, für Besucher und für Nachbarn.


Lärmschutz Nachbarn: Nachbarn von Veranstaltungen, von denen Lärm (Musik) ausgeht, werden u.a. geschützt durch…

  • TA Lärm bzw. Freizeitlärmrichtlinie
  • Bundesimmissionsschutzgesetz
  • jeweilige Landesimmissionsschutzgesetz
  • Gaststättenrecht (Sperrzeiten)
  • Sonn- und Feiertagsgesetz

Zu beachten sind außerdem Fahrverbote für LKW ab 7,5 Tonnen insbesondere an Sonntagen.

Zu den Besonderheiten beim Lärmschutz der Anwohner bei kulturell bedeutenden Veranstaltungen siehe die FAQ unten.


Der Lärmschutz der Besucher ergibt sich aus der DIN 15905 Teil 5. Im Gegensatz zu Verordnungen oder Gesetzen muss sich der Veranstalter nicht zwingend an diese DIN halten, da die DIN keinen Gesetzesrang hat. Er täte aber gut daran: Wenn er sich nicht daran hält und ein Besucher wird durch Lärm geschädigt, so muss der Veranstalter damit rechnen, dass das Gericht ihm zunächst einmal ein schuldhaftes Handeln unterstellt. Der verletzte Besucher hat es dann erheblich einfacher, seinen Schadenersatzanspruch durchzusetzen: Er muss eben nicht mehr das Verschulden des Veranstalters beweisen, sondern u.a. nur noch den Schaden (das ist gerade bei Hörschäden schon schwierig genug: Der Besucher muss beweisen, dass die Lautstärke dieser einen Veranstaltung den Hörschaden verursacht hat). Andererseits kann der Veranstalter zu beweisen versuchen, dass er sich zwar nicht an die DIN gehalten hat, dafür aber vergleichbare andere Maßnahmen getroffen hat.


Der Lärmschutz für Arbeitnehmer ergibt sich aus der Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung. Diese Verordnung ist ein Teil des Arbeitsschutzes, den der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer schaffen und aktiv beachten muss. Den Text der Verordnung können Sie hier lesen. Details zum Lärmschutz für Mitarbeiter finden Sie in den FAQ unten.


Allgemeine FAQ zum Lärmschutz:

Pflichten aus der Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung

Vorweg: Wenn Sie Arbeitgeber sind, kennen Sie (hoffentlich) die wesentlichen Aufgaben im Arbeitsschutz?

  • Gefährdungsanalyse bzw. Prüfung, ob und welche Gefahren es für Ihre Arbeitnehmer geben könnte,
  • Maßnahmen treffen, um Schäden der Arbeitnehmer zu vermeiden,
  • Dokumentation erstellen, sowie
  • die Arbeitnehmer unterweisen.

Auch Lärm ist eine erhebliche Gefahrenquelle der Arbeitnehmer. Hierbei gilt zu beachten, dass Lärm nicht nur bei der Veranstaltung selbst, sondern auch bei Aufbau und Abbau auftreten kann. Der Arbeitgeber muss die nach der Verordnung erforderlichen Maßnahmen treffen – tut er dies nicht, handelt er ordnungswidrig, ggf. macht er sich sogar strafbar!

Der Arbeitgeber sollte sich zwei Schwellenwerte merken:

Bereits ab 80 dB(A) muss er bspw.

  • Gehörschutz zur Verfügung stellen und
  • eine ärztliche Vorsorgeuntersuchung anbieten.

Ab 85 dB(A) bspw.

  • ist das Tragen von Gehörschutz Pflicht,
  • ebenso die Vorsorgeuntersuchung vor Aufnahme der lärmbelasteten Tätigkeit (die der Arbeitgeber bezahlen muss).

Maßgeblich ist das Mittel über einen 8-Stunden-Arbeitstag. Wenn also bspw. ein Arbeitnehmer am Montag im Büro sitzt, wird es dort wohl nicht lauter als 80 dB(A) sein, so dass der Arbeitgeber mit Blick auf den Lärmschutz entspannt bleiben kann. Ist der Arbeitnehmer dann aber am Freitag beim Aufbau und am Samstag beim Musikkonzert, das er organisiert und betreut, anwesend, dann muss der Arbeitgeber den Lärmschutz beachten: Typischerweise beim Musikkonzert, vielleicht auch beim Aufbau wird eine Lautstärke von regelmäßig mehr als 80 dB(A) im 8-Stunden-Mittel erreicht: Der Arbeitgeber muss dann die in der Verordnung vorgegebenen Maßnahmen treffen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (kurz: Baua) hat mit Stand April 2010 den Ratgeber zur Gehörerhaltung in der Musik- und Entertainmentbranche „Safe and Sound“ herausgegeben. Den Ratgeber können Sie hier im Downloadbereich der Baua herunterladen.

Hinweis am Rande: Der Arbeitnehmer darf grundsätzlich höchstens 10 Stunden pro Tag arbeiten, dann muss er eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden einlegen. Die 10 Stunden müssen binnen 6 Monaten so ausgeglichen werden, dass der Schnitt von 8 Stunden pro Tag nicht überschritten wird.

Wann ist eine Veranstaltung traditionell?

Volksfeste, Umzüge und Musikveranstaltungen kämpfen regelmäßig gegen zahlreiche Lärmbeschwerden von Nachbarn. Umgekehrt kämpfen Anwohner regelmäßig gegen laute Volksfeste, Umzüge und Musikveranstaltungen. Wann muss ein Anwohner den von einer Veranstaltung ausgehenden Lärm hinnehmen?

Zunächst muss man feststellen, dass es dafür keine fixen Regelwerke gibt, die immer und überall gelten. Grundlage aller Überlegungen ist das Bundesimmissions- schutzgesetz. Darauf bauen die Landesimmissionsschutzgesetze auf, ebenso die so genannte Freizeitlärm-Richtlinie und die “TA Lärm”. Um die Frage konkret zu beantworten, müsste man schauen, was das entsprechende Verwaltungsgericht bzw. das höchste Verwaltungsgericht in dem jeweiligen Bundesland dazu sagt.

Allgemein kann man aber an folgenden (sehr abstrakten und pauschalen) Leitlinien orientieren:

Der Bundesgerichtshof hat im Einklang mit Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts in einem Urteil aus dem Jahr 2003 bestimmte Regeln aufgestellt, anhand derer die Bedeutung einer Veranstaltung bemessen werden kann:

„Volks- und Gemeindefeste, Feiern örtlicher Vereine, traditionelle Umzüge und ähnliche Veranstaltungen gehören zu den herkömmlichen, allgemein akzeptierten Formen gemeindlichen und städtischen Lebens. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass sie oftmals in der Nähe zur Wohnbebauung durchgeführt werden müssen und zwangsläufig zu Beeinträchtigungen der Nachbarschaft führen. Da solche Veranstaltungen für den Zusammenhalt der örtlichen Gemeinschaft von großer Bedeutung sein können, dabei auch die Identität dieser Gemeinschaft stärken und für viele Bewohner einen hohen Stellenwert besitzen, werden die mit ihnen verbundenen Geräuschentwicklungen von einem verständigen Durchschnittsmenschen bei Würdigung auch anderer Belange in der Regel in höherem Maß akzeptiert werden als sonstige Immissionen.“, so der BGH.

Und weiter:

„Die kommunale Bedeutung kann einem Ereignis nicht deshalb abgesprochen werden, weil Veranstalter nicht die Gemeinde, sondern ein privater Verein ist. Maßgeblich ist, dass das Ereignis von einem Großteil der Ortsbevölkerung getragen und akzeptiert wird. Unerheblich für die Frage der Wesentlichkeit der Immissionen ist ferner, ob der Nutzung eines Grundstücks als Festplatz eine langjährige Übung zu Grunde liegt. Bei der vom Tatrichter vorzunehmenden Würdigung, ob Geräuschimmissionen wesentlich sind, kann zwar dem Traditionscharakter einer Veranstaltung besonderes Gewicht zukommen.“

Mit Blick auf die Frage, wie lange bzw. wie oft eine Veranstaltung stattfinden muss, um „traditionell“ sein bzw. um eine Überschreitung der Lärmgrenzen zu rechtfertigen, sagt der Bundesgerichtshof weiter:

„Umgekehrt steht der Annahme einer nur unwesentlichen Beeinträchtigung aber nicht entgegen, dass eine Veranstaltung erst seit kurzer Zeit stattfindet. Andernfalls würden Gemeinden gehindert, eine kommunale Festivität zu begründen, wo Traditionsveranstaltungen fehlen, oder die Abläufe bei Festen zu ändern, die auf eine langjährige Übung zurückgehen. Demgemäß können auch die mit Gemeinde- und Vereinsfesten untrennbar verbundenen Musik- und Tanzveranstaltungen Änderungen in Art und Ausrichtung erfahren. Erlangen sie im Einzelfall überregionale Bedeutung, nimmt ihnen das die kommunale Bedeutung nicht, solange die jeweilige Veranstaltung weiterhin auch für die örtliche Bevölkerung bestimmt ist und von ihr angenommen wird.“

Das heißt: Auch eine erstmalig stattfindende Veranstaltung kann unter Umständen die lärmschutzrechlichen Vorteile einer Brauchtumsveranstaltung genießen.

Diese Entscheidung hat bspw. das Oberlandesgericht Oldenburg 2010 aufgegriffen, als es um Lärmbeschwerden gegen ein junges Musikfestival ging:

„Das … zum Ausdruck kommende Interesse, den Bekanntheitsgrad des Standortes durch zahlreiche auswärtige Besucher und eine umfangreiche Medienberichterstattung zu steigern und daraus möglichst auch wirtschaftlichen Nutzen für die Gemeinde zu ziehen, ist als legitime kommunale Intention zu akzeptieren. Das gilt umso mehr, als sich sowohl der Ortsrat T… als auch der Verwaltungsausschuss der Gemeinde G… grundsätzlich für das Festival und den Austragungsort ausgesprochen haben.“

Eine traditionelle Veranstaltung darf aber deshalb nicht machen, was sie will. Vor dem Hintergrund der BGH-Entscheidung, dass sich der Charakter einer Veranstaltung auch ändern kann (hin oder weg zum Brauchtum), hat der Verwaltungsgerichtshof Kassel 2005 festgestellt:

„Von Bedeutung ist … auch, ob sich eine Veranstaltung an einen ebenso geeigneten, die Nachbarschaft und insbesondere die unmittelbaren Anwohner insgesamt aber deutlich weniger beeinträchtigenden Standort innerhalb des Gemeindegebietes bzw. innerhalb des Ortsteils verlegen lässt. Können dadurch unter Wahrung des Charakters der Veranstaltung die Geräuschimmissionen für die unmittelbaren Anwohner deutlich reduziert werden, unterbleibt ein derartiger Standortwechsel jedoch, so verringert sich das Maß dessen, was einem Anwohner an Geräuscheinwirkungen noch zuzumuten ist; in der Regel werden dann die Richtwerte der Freizeitlärm-Richtlinie maßgebend sein.“

Unter dem Strich gilt: Jede Veranstaltung muss ganzheitlich gesondert betrachtet werden. Dabei spielt die Rechtsprechung der Gerichte in dem jeweiligen Bundesland eine wichtige Rolle. Und: Eine Veranstaltung kann ihren Brauchtumscharakter verlieren (z.B. wenn das Brauchtum nur noch als Argument herhalten soll, einen Diskotbetrieb zu rechtfertigen) oder auch neu hinzugewinnen.

Weitere und allgemeine Informationen zum Lärmschutz finden Sie bspw. beim Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA):

Zu den Fachinfos Lärm

Meine Artikel zum Lärmschutz:

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