Teil 1: KI in der Planungsphase
Veranstaltungssicherheitskonzeption durch KI-Modelle (Teil 1): Was in der Vorbereitung klappt und wo die Grenzen liegen
Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) stellt eine große Chance, aber auch eine neue Herausforderung für Veranstalter und Betreiber von Versammlungsstätten dar. Insbesondere in der Planungsphase versprechen KI-Modelle durch die Analyse riesiger Datenmengen präzise Vorhersagen und optimierte Sicherheitskonzepte. Doch ein blindes Vertrauen in die Technik birgt Risiken. Fehlende oder falsche Daten können zu fehlerhaften Sicherheitskonzepten führen, was für viele Veranstaltungsplaner zu einem erheblichen Planungs- und Haftungsrisiko wird.
In welchen Bereichen der Planung kommt KI zum Einsatz?
Aktuell werden KI-Modelle vor allem in der Vorbereitungsphase von Großveranstaltungen, Festivals und Messen eingesetzt, um komplexe Szenarien zu simulieren und Risiken zu minimieren. Die höchste Wirksamkeit zeigen die Systeme in der Verknüpfung historischer Daten mit aktuellen Prognosen. Besonders relevant sind:
- Evakuierungssimulationen: Berechnung von Fluchtwegen und Engpässen anhand virtueller Geländemodelle.
- Texterstellung und Korrektur: Erstellung der Konzeptionstexte und Korrektur der Rechtschreibung
- Wetter- und Verkehrsdatenanalyse: Dynamische Risikobewertung durch die Kombination von lokalen Wettermodellen und Anreisedaten in verschiedenen Szenarien.
Die Präzision von KI-Modellen hängt massiv von der Datenqualität ab und kann in gut dokumentierten Veranstaltungsstätten geradezu revolutionäre Einblicke liefern, aber bei ungünstiger Datenlage auch zu wirklich fragwürdigen Ergebnissen führen.
Warum ist das für Veranstalter relevant? Welche Folgen drohen bei Fehlern? Ein KI-gestütztes Konzept führt zu optimierten Ressourcen, aber bei fehlerhaften Berechnungen zu unmittelbaren Gefahren und oft zu gravierenden Sicherheitslücken vor Ort.
Folgen für die Teilnehmer (Sicherheitsrisiko)
Verlässt sich die Planung blind auf eine KI-Evakuierungssimulation, die lokale Gegebenheiten (wie z.B.: eine kleine Stufe oder rutschigen Untergrund, Engstellen durch Aufbauten oder Attraktionen etc.) ignoriert, entsteht für Teilnehmer ein teils massives Risiko. Die Folgen reichen von unzureichend dimensionierten Fluchtwegen bis hin zu gefährlichen Stausituationen. In schweren Fällen kann dies bis hin zu lebensgefährlichen Situationen führen.
Ebenso kann die Veranstaltungsqualität durch Fehlprognosen leiden, wenn z.B. die Einlasskapazität auf Grund falscher Anreiseprognosen nicht ausreichend dimensioniert wurde und dadurch lange Wartezeiten entstehen.
Folgen für den Veranstalter (Planungs- und Haftungsrisiko)
Die Feststellung, dass ein Sicherheitskonzept auf fehlerhaften oder „halluzinierten“ KI-Daten beruht, führt in der Regel zur Verweigerung der Genehmigung durch die kommunalen Behörden (Ordnungsamt, Feuerwehr). Ziel der Behörden ist es, die Besucher vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren. Das bedeutet, dass eingereichte Konzepte abgelehnt, Nachbesserungen gefordert oder im schlimmsten Fall Veranstaltungen komplett untersagt werden, wenn die Sicherheit nicht menschlich plausibilisiert wurde.
Beispielhafte Einschränkungen der KI (Was aktuell nicht geht)
In der Planung scheitern KI-Modelle oft an der sogenannten „Unberechenbarkeit des menschlichen Faktors“ oder an fehlenden Umgebungsdaten. Eine KI kann nur auswerten, was ihr eingespeist wird.
Beispiel: Fehlerhafte Fluchtwegberechnung Eine KI berechnet die Räumung eines Zeltes in 3 Minuten und geht von gleichmäßig flüchtenden Personen aus. Sie ignoriert jedoch, dass bei einem bestimmten Event (z. B. Heavy Metal Konzert vs. Rollstuhlsport-Event) die Mobilität der Besucher stark variiert oder dass sich im Falle eines Unwetters das Verhalten der Besucher möglicherweise ändert. Die KI liefert hier oft eine unrealistische Scheinsicherheit.
Rechtliche Aspekte und die Verkehrssicherungspflicht
Veranstalter haben eine weitreichende Verkehrssicherungspflicht. Werden Risiken ignoriert, weil „die KI berechnet hat, dass es sicher ist“, drohen bei Personenschäden erhebliche zivilrechtliche Haftungsansprüche sowie strafrechtliche Konsequenzen. Die Letztentscheidung und Verantwortung dürfen niemals an einen Algorithmus delegiert werden. Jedes KI-Konzept muss von erfahrenen Sicherheitsplanern (Human-in-the-Loop) überprüft und freigegeben werden.
Versicherungstechnische Risiken
Ein weiteres Risiko besteht in der Haftpflicht- und Ausfallversicherung. Viele Policen decken zwar menschliches Versagen ab, enthalten aber noch keine klaren Klauseln für Schäden, die durch fehlerhafte KI-Berechnungen in der Planung entstanden sind. Verlässt sich der Planer ausschließlich auf Software, könnte grobe Fahrlässigkeit unterstellt werden. Veranstaltungsplaner sollten daher unbedingt prüfen, inwiefern automatisierte Planungsverfahren von ihren Policen abgedeckt sind.
Fazit
KI in der Planungsphase ist nicht nur ein reines Effizienz-Tool, sondern wirkt sich durch komplexe Berechnungen unmittelbar auf die Veranstaltungssicherheit aus. Die datenabhängige Funktionalität erfordert von Planern ein hohes Maß an Kontrolle und Fachwissen. Frühzeitige menschliche Überprüfungen, die rechtliche Absicherung sowie das Bewusstsein für die Grenzen der Technik können entscheidend dabei helfen, das Potenzial der KI sicher zu nutzen.
(Wie KI während der laufenden Veranstaltung im Live-Betrieb funktioniert, beleuchtet Teil 2).
Weiterführende Links:
