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aus dem Eventrecht

Zuschauer stürzt von 20 Meter hohen Tower

Von Thomas Waetke 29. April 2012

Auf dem Creamfields Festival in Melbourne (Australien) stürzte ein Zuschauer von einem 20 Meter hohen Lautsprecherturm. Während eines Konzerts kletterte er auf den Tower neben der Bühne, beim Tanzen auf den oberen Querstangen verlor er den Halt und stürzte innen hinter der abgespannten halbdurchsichtigen (da luftdurchlässigen) Plane nach unten. Erstaunlicherweise wurde er dabei offenbar nur leicht verletzt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Der Veranstalter ist nicht für jede Blödheit seiner Besucher verantwortlich. Eine Gerüststange in 20 Meter Höhe ist normalerweise kein Ort, an dem sich ein Besucher gefahrlos aufzuhalten pflegt. Wer sich in dieses Risiko begibt, ist für sich selbst verantwortlich. Den Veranstalter könnte allenfalls ein teilweises Verschulden treffen, wenn er keinerlei Maßnahmen getroffen hätte, ein unbefugtes Besteigen des Towers zu verhindern.

In diesem Zusammenhang hatte das Landgericht Heidelberg 2010 allerdings entschieden, dass die Rechtsordnung nicht gebiete, andere vor Selbstgefährdung zu bewahren, und auch nicht verbiete, sie zur Selbstgefährdung zu veranlassen. Wer sich in Alltagsgefahren begebe, trage das Risiko und einen daraus entstehenden Schaden deshalb selbst. Verantwortlich für solche Schäden könne hingegen sein, wer eine gegenüber dem allgemeinen Lebensrisiko zusätzliche Gefahr verursache.

In diesem Fall muss der Veranstalter Rücksicht auf die Gefahrenlage zu nehmen und ihn trifft die allgemeine Rechtspflicht, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung möglichst zu verhindern, so auch das Landgericht Frankfurt 2006.

Hier ließe sich die Meinung durchaus vertreten, dass durch das Aufstellen des Lautsprecherturms ja per se keine Gefahrenlage für den Besucher geschaffen wird, so dass der Besucher alleine verantwortlich sein dürfte.