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aus dem Eventrecht

Zuschauer erblindet fast bei Faschingsumzug

Von Thomas Waetke 22. Februar 2012

Beim Faschingsumzug in Tegernsee (Bayern) wurde ein Zuschauer von einem Gegenstand in einem Auge getroffen und mit schweren Verletzungen mit dem Rettungshubschrauber in eine Augenklinik geflogen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht nach verwertbaren Videoaufnahmen von Zuschauern.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wenn wir unterstellen, dass niemand absichtlich den Gegenstand ins Auge bzw. auf den Zuschauer geworfen hat, um ihn zu verletzen, dann hat der verletzte Besucher aber grundsätzlich keinen Anspruch auf den Veranstalter des Faschingsumzuges:

Soweit es sich bei dem geworfenen Gegenstand um einen Gegenstand handelt, der üblicherweise bei einem Faschingsumzug geworfen wird („Kamellen“) und der für sich gesehen nicht gefährlich ist, dann handelt der Werfer nicht rechtswidrig, wenn er aus Versehen einen Zuschauer trifft. Wollte der Zuschauer dies ausschließen, so müsste er sich außerhalb der Reichweite solcher Kamellen aufhalten. Dies haben so bereits mehrere Amtsgerichte, zuletzt das Amtsgericht Köln 2011 entschieden.

Auf einem Faschingsumzug gehört das Werfen von Kamellen also dazu; wenn ein Zuschauer getroffen und verletzt wird, kann er den Werfer nicht in Anspruch nehmen. Kamellen gelten nämlich gemeinhin als ungefährlich, und das Werfen ist Tradition.

Wenn die Narren aber bspw. einen Kühlschrank vom Wagen werfen und dabei einen Zuschauer treffen würden, dann hätte der sehr wohl einen Anspruch auf Schadenersatz: Das Werfen von Kühlschränken ist nämlich nicht traditionell, damit muss der Besucher nicht rechnen. Welch gelungenes Beispiel…