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aus dem Eventrecht

Zu klein zum Fliegen?

Von Thomas Waetke 25. Juni 2014

Das Landesarbeitsgericht NRW hat entschieden, dass die Ablehnung einer Bewerberin zur Ausbildung als Pilotin wegen Diskriminierung unwirksam sei, wenn diese auf die Körpergröße der Bewerberin abstelle: Die beklagte Lufthansa schreibt eine Mindestgröße von 1,65 Meter vor mit dem Argument, dass ansonsten das sichere Führen der Flugzeuge nicht gewährleistet sei. Das Landesarbeitsgericht konterte mit einer bemerkenswerten Feststellung:

Andere Fluggesellschaften würden ja auch kleinere Körpergrößen akzeptieren – wenn für die aber die Sicherheit nicht beeinträchtigt sei, sei nicht nachvollziehbar, warum das bei der Lufthansa anders sein solle, so das Gericht.

Das ist natürlich ein „Todschlagargument“: Nur, weil andere in der Körpergröße kein Problem sehen, heißt das ja nicht, dass die Körpergröße tatsächlich nicht ein Problem darstellt – vielleicht haben ja die anderen Fluggesellschaften, die kleinere Piloten zulassen, das Sicherheitsproblem noch nicht erkannt?

Letztlich wird sich auf der Welt immer jemand finden, der es anders macht – das kann natürlich kein Maßstab sein. Maßstab können daher nur sein

  • der Durschnitt
  • wissenschaftliche Erkenntnisse
  • Stand der Technik
  • gesetzliche Vorschriften
  • (oder zuletzt auch vertragliche Vereinbarungen)

Im Veranstaltungsbereich ist das nicht anders: Es gibt Veranstalter, die kümmern sich um Sicherheit – andere weniger, wieder andere gar nicht.

Nur, weil einer viel unternimmt, heißt das nicht, dass alle viel tun müssen.

Und: Nur, weil einer nichts macht, heißt das nicht, dass alle anderen auch nichts tun müssten.

Maßstab ist dabei:

  • Vorschriften und Regelwerke
  • Vertragliche Vereinbarungen
  • Gerichtsentscheidungen (bspw. zu Verkehrssicherungspflichten)
  • Stand der Technik
  • Der Durchschnitt

Wenn also in einem Gesetz „A“ steht, dann muss man auch A machen. Wenn von 100 Veranstaltern 99 A aber nicht machen, kann der 100. Veranstalter sich darauf nicht berufen und A auch nicht machen.

Letztlich kann die Masse (= 99 machen A nicht) erst dann eine Rolle spielen, wenn es zu diesem Thema keinerlei gesetzlichen Vorschriften, keine DIN-Normen, keine Unfallverhütungsvorschriften, keinen anerkannten Stand der Technik usw. gibt: Wenn 99 von 100 Veranstaltern A nicht machen, dann spricht in diesem Fall viel dafür, dass der 100. Veranstalter auch nicht A machen müsste.