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116/18 Zu groß, um alles richtig zu machen?

116/18 Zu groß, um alles richtig zu machen?

Von Thomas Waetke 4. Mai 2018

Einem Phänomen begegne ich oft: Eine Veranstaltung ist so groß, dass der Veranstalter aufgrund eben dieser Größe gar nicht mehr in der Lage ist, alle Aufgaben rechtmäßig zu bedienen.

Ein Beispiel:

Und noch ein Beispiel, das m.E. gut dazu passt: Notwendige Sicherheitsmaßnahmen werden aufgrund der Dimensionen der Veranstaltung derart komplex, dass man ehrlicherweise eingestehen müsste, dass das gar keiner mehr im Griff haben kann. Auch hier muss man sagen: Nirgendwo steht, dass man zwingend eine derart große und komplexe Veranstaltung durchführen muss.

Das Kammergericht Berlin hat kürzlich dem Internetriesen Google einen Riegel vor eine beliebte Praxis geschoben: Google hat im Impressum zwar eine E-Mail-Adresse angeben (was auch verpflichtend ist, siehe § 5 Abs. 1 Nr. 2 TMG), aber diese Mailadresse war letztlich nur ein toter Link: Der Absender erhielt eine automatisierte E-Mail zurück, er möge sich doch bitte an die Hilfeseiten wenden. Der Grund: “Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Vielzahl von Anfragen E-Mails, die unter dieser E-Mail-Adresse eingehen, nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden können”.

Hierzu stellte das Gericht zutreffend fest: Wer so groß ist, dass er viele E-Mailanfragen bekommt, profitiert offensichtlich von seiner Größe derart, dass er dann aber auch ausreichende finanzielle Ressourcen hat bzw. haben muss, um eben diese Vielzahl von Anfragen beantworten zu können. Kurz: Wer groß ist, muss es sich auch leisten können, groß zu sein.

Die Größe kann also keine Rolle spielen: Viele Mitarbeiter, große Veranstaltungsflächen, viele Stockwerke, viele Hallen, viele Aussteller, viele Besucher… nur weil man (zu) groß ist, heißt das nicht, dass man nicht alle Vorschriften erfüllen müsste.

 

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