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aus dem Eventrecht

Zelten im Winter

Von Thomas Waetke 13. Februar 2013

Wie berichtet, war kürzlich in der Nähe von Düsseldorf ein Festzelt am frühen Morgen unter der Schneelast zusammengebrochen – wenige Stunden später hätten dort 1.000 Narren feiern sollen. Man fragt sich, ob das Zelt auch hätte bei der Abendveranstaltung zusammenbrechen können. Wie so oft, muss man die Frage beantworten mit einem „kommt darauf an“.

Es gibt solche und solche Zelte: Die meisten Zelte werden ohne Schneelast gerechnet, so dass im Beschneiungsfall Maßnahmen zu treffen sind, um den Schnee auf dem Zeltdach zu entfernen, so Manuel Weiskopf von der Fa. s-cape aus dem verschneiten Bayern. Die Großzelte bekannter Hersteller wie z.B. Röder, De Boer oder Losberger u.a. sind schon mit einer gewissen Schneelast gerechnet und daher auch von Grund auf stabiler.

Ob eine Beheizung des Zeltes hilft, ist fraglich: Wenn, dann müsste die Beheizung dauerhaft erfolgen, ansonsten droht eine großflächige Eisbildung, was wiederum das Abtauen erschwert und die Gefahr von Dachlawinen erhöht, berichtet Manuel Weiskopf weiter, zudem hängt die erfolgreiche Beheizung vom Zelt und den Temperaturen ab.

Auf die menschliche Ebene blickt Jens Groskopf (GROSKOPF Rescue Engineering Consulting), den ich dazu ebenfalls befragt habe: Allzu oft gelte § 3 des Rheinischen Grundgesetzes: „Et hätt noh immer joot jegange“. Seiner Erfahrung nach mache sich leider nicht jeder Veranstalter Gedanken dazu, ob er das richtige Zelt verwende, ob es für Schneelast ausgelegt sei und dass der Schnee ggf. noch vor Veranstaltungs- beginn entfernt werde.

Aus haftungsrechtlicher Sicht hat der Veranstalter, der ein Zelt aufbaut, im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflichten das Erforderliche und Zumutbare zu tun, um ein Einstürzen des Zeltes durch Schneelasten zu verhindern. Sprich: Eine völlige Untätigkeit bzw. fehlende Vorkehrungen gegen Schnee auf dem Zelt, das im Winter aufgestellt wird, wären nahezu immer einer Verkehrssicherungspflichtverletzung. Denn dass es im Winter schneit, ist nicht abwegig.

Selbst wenn wie nahe Düsseldorf geschehen keine Personen verletzt werden sondern nur ein Sachschaden entsteht: Auch die Versicherungen werden sich genau anschauen, was der Veranstalter getan oder unterlassen hat. Könnte man dem Veranstalter bspw. ein billigendes Inkaufnehmen des Einsturzes unterstellen, dann müsste die Versicherung nicht zahlen. Hinzu kommt, dass je nach Vertrag das Unterlassen von Sicherungsmaßnahmen ebenfalls zu einem Verlust des Versicherungsschutzes führen könnte.