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aus dem Eventrecht

Zahlenschummelei zulässiger Marketingtrick?

Von Thomas Waetke 31. August 2010

An sich dürfte die Nachricht niemanden wirklich überrascht haben: Die Veranstalter der Loveparade in Duisburg haben offenbar, bei den Besucherzahlen aus Marketinggründen geschummelt: In der Presse wurden Besucherzahlen von über 1 Million genannt, während es tatsächlich erheblich weniger waren.

Wie sind solche Zahlenschummeleien rechtlich zu beurteilen?

1. Steuerrecht

Es drängt sich auf, dass die Schummelei zunächst steuerrechtlich relevant ist: Wenn in der Presse bspw. 1000 Besucher angegeben werden, dann aber tatsächlich nur 350 buchhaltärisch erfasst und als Einnahme gebucht werden, könnte zunächst das Finanzamt misstrauisch werden. Hier dürfte dann der Veranstalter in der Beweisnot sein, die Differenz zu begründen. Gelingt ihm das, dürfte die Schummelei diesbezüglich aber keine Auswirkungen haben.

2. Wettbewerbsrecht

Relevanter dürfte das Wettbewerbsrecht sein da die Schummelei eine irreführende Werbung im Sinne des § 5 Absatz 1 UWG sein könnte:

  • „Unlauter handelt, wer eine irreführende geschäftliche Handlung vornimmt. Eine geschäftliche Handlung ist irreführend, wenn sie unwahre Angaben enthält …“

Was eine geschäftliche Handlung ist, ist in § 2 Absatz 1 Nr. 2 UWG definiert:

  • „… Jedes Verhalten einer Person zugunsten des eigenen oder eines fremden Unternehmens vor, bei oder nach einem Geschäftsabschluss, das mit der Förderung des Absatzes oder des Bezugs von Waren oder Dienstleistungen oder mit dem Abschluss oder der Durchführung eines Vertrags über Waren oder Dienstleistungen objektiv zusammenhängt …“

Immerhin sind die Angaben falsch, der Veranstalter versucht sich dadurch, in eine bessere Situation zu versetzen – hohe Besucherzahlen sind ein Indiz für eine gelungene, erfolgreiche Veranstaltung. Der Veranstalter bzw. seine Veranstaltung wird für weitere Besucher bzw. Unentschlossene, aber auch für Sponsoren interessanter. Unentschlossene Besucher werden ggf. veranlasst, sich doch noch Tickets zu besorgen, aus Angst, dass die Veranstaltung ansonsten ausverkauft sein könnte.

Der schummelnde Veranstalter läuft also Gefahr, von Wettbewerbern abgemahnt zu werden. Immerhin kommt dann auch eine Gewinnabschöpfung nach § 10 UWG in Betracht! Voraussetzung ist allerdings, dass der Wettbewerber die Schummelei beweisen kann.

3. Verhältnis zum Künstler

Im Vertrag zwischen Veranstalter und Künstler wird oftmals eine Umsatzbeteiligung bzw. eine Beteiligung an den Eintrittsgeldern vereinbart. Auch hier könnte sich die Schummelei auswirken, wenn der Künstler misstrauisch wird, da nur ein geringerer Abverkauf von Tickets abgerechnet wurde. Hier gilt das gleiche wie im Steuerrecht: Der Veranstalter müsste die Differenz begründen können – oder er stimmt sich sicherheitshalber im Vorfeld mit dem Künstler ab und kündigt ihm gegenüber die Schummelei an.

4. Verhältnis zum Versicherer

Wird gegenüber dem Versicherungsunternehmen eine falsche Angabe gemacht, kann dies zum Verlust des Versicherungsschutzes führen bzw. die Versicherung könnte, wenn sie von den geschummelten Zahlen erfährt, den Versicherungsvertrag kündigen; auch dies dürfte aber im Ergebnis davon abhängen, ob und dass der Veranstalter die Schummelei begründen kann.

 Fazit:  Zwar durchaus nicht unüblich, aber deshalb nicht minder ungefährlicher mit Blick jedenfalls auf das Wettbewerbsrecht. Um Ärger und Beweisnot zumindest gegenüber dem Finanzamt, den Künstlern, der Versicherung usw. zu vermeiden, sollte die Schummelei aus Marketingzwecken gut überlegt sein.