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aus dem Eventrecht

„Wetten dass…?“ abgebrochen

Von Thomas Waetke 4. Dezember 2010

Aufgrund eines Unfalls bei einer Wette hat das ZDF die heutige Live-Sendung „Wetten dass…?“ abgebrochen und stattdessen einen Film ausgestrahlt.

Bei der ersten Wette des Abends hatte ein 23-Jähriger gewettet, dass er mit Sprungfedern über Autos springen könne. Beim vierten Versuch prallte er gegen das Fahrzeug und blieb bewegungslos liegen. Sanitäter trugen den Verletzten aus der Halle. Der Moderator der Sendung Thomas Gottschalk teilte den Zuschauern wenig später mit, dass der Wettkandidat zumindest ansprechbar sei. Wegen des Unfalls wolle man aber nicht heiter weiterspielen; Gottschalk bat um Verständnis, dass man die Live-Sendung daher zum ersten Mal in der Geschichte des Formats abbreche. Das ZDF hat ersatzweise einen Film ausgestrahlt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Zunächst sei dem Kandidat gute Besserung gewünscht. Für das ZDF war es sicherlich auch keine einfache Entscheidung für den Abbruch, stehen doch erhebliche wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel, weshalb umso mehr der Hut zu ziehen ist vor solch einer Entscheidung, die gerade nicht dem finanziellen Interesse gefolgt ist, sondern die Pietät gewahrt hat.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass auch im Rahmen der Versammlungsstättenverordnung der Veranstaltungsleiter unter Umständen die Entscheidung treffen muss, die laufende Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abzubrechen (§ 38 Abs. 4 MVStättV).

Auch hierzu braucht der Veranstaltungsleiter – abgesehen von den fachlichen Fähigkeiten – eine ordentliche Portion Mut und Durchsetzungsvermögen.

Was kann passieren, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird?

  • Künstler können nicht mehr auftreten, obwohl es ihnen vertraglich versprochen wurde.
  • Besucher werden früher nach Hause geschickt.
  • Die Werbung der Sponsoren wird nicht so lange zu sehen sein, wie vertraglich vereinbart.
  • Der Veranstalter hat hohe Ausfallkosten.
  • Muss er auch die Mieten der Technik und der Halle bezahlen, obwohl er sie nicht vollständig genutzt hat?

1. Absage der Veranstaltung wegen Höherer Gewalt

Höhere Gewalt ist gegeben, wenn das schadenverursachende Ereignis von außen einwirkt und das Ereignis auch durch die äußerst zumutbare Sorgfalt nicht abgewendet werden kann. Beispiele: Krieg, Erdbeben, Terrorismus.

Die Höhere Gewalt führt rechtlich zur Unmöglichkeit: Die vertraglich versprochenen Leistungen sind unmöglich und müssen nicht erbracht werden. Kein Vertragspartner kann also vom anderen Vertragspartner mehr dessen Leistungen verlangen und hat auch kein Anspruch auf Schadenersatz. Kurz gesagt: Pech gehabt.

2. Absage der Veranstaltung aus Pietätsgründen

Sicherlich werden die meisten Beteiligten sich einvernehmlich einigen und nicht auf ihren Forderungen bestehen. Ansonsten muss der Veranstalter grundsätzlich seine vertraglichen Pflichten auch erfüllen.

Es macht daher durchaus Sinn, solche Fälle insbesondere bei Live-Veranstaltungen vorsorglich in den Verträgen mit den Dienstleistern zu regeln.

 Hinweis

Der Arbeitgeber darf bei einem Unfall im Rahmen des Arbeitsschutzes seine Fürsorgepflichten gegenüber seinen Mitarbeitern nicht vergessen. Es kann sein, dass seine Mitarbeiter unter Schock stehen und ärztlich betreut werden müssten. Bevor nach einem Unfall die Arbeit wieder aufgenommen wird, muss er also gewährleisten, dass betroffene Mitarbeiter ggf. nach Hause oder ins Krankenhaus geschickt oder sogar gefahren werden.