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aus dem Eventrecht

Wer nichts hören und sehen will, ist selbst schuld

Von Thomas Waetke 22. Februar 2013

Das Landgericht Coburg hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob und wie auf einer Veranstaltung eine Slackline abzusichern ist – nicht, dass niemand herunterfällt, sondern dass kein Radfahrer dagegen fährt.

Was war passiert? Eine Radfahrerin wollte das ehemalige Landesgartenschaugelände in Kronach (Bayern) durchfahren. Dabei verließ sie den mit Betonplatten gepflasterten Weg und fuhr über eine Wiese, offenbar, um ihren Weg abzukürzen.

Zwischen zwei Bäumen hatte das Kreisjugendamt eine so genannte Slackline gespannt, auf der Jugendliche balancieren konnten.

Als der Jugendamtsleiter die Radfahrerin kommen sah, ging er mit ausgebreiteten Armen auf sie zu und rief mehrmals „halt“. Trotzdem fuhr die Radfahrerin weiter, kollidierte mit der Slackline und zog sich Verletzungen zu.

Die Radfahrerin erhob Klage gegen den Landkreis als Träger des Kreisjugendamtes und forderte mehrere tausend Euro Schmerzensgeld.

Das Landgericht Coburg wies die Klage nun ab: Die Frau hätte die Warnrufe und Warnzeichen des Jugendamtsleiters ignoriert, zudem sei die Slackline durch ihre knallgelbe Farbe weithin zu erkennen gewesen. Und: Wer den Radweg verlasse, um eine Abkürzung zu nehmen, könne nicht dieselben Sicherheitsmaßnahmen erwarten wie sie auf einem Radweg erwartet werden können.

Die Frau behauptete bei Gericht, sie habe den Jugendamtsleiter nicht ernst genommen, da sie ihn  für betrunken gehalten und sich gedacht hatte „Was will der Typ denn von mir?“. Das Gericht hält dagegen: Nichts da, dem Jugendamtsleiter könne ein durchweg seriöser Eindruck bescheinigt werden.

 Merke: Wer nicht warnt mit seriösem Blick, dem unterstellt man einen Tick.  8-O