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aus dem Eventrecht

Wer beim arbeiten schläft, arbeitet deshalb nicht nicht

Von Thomas Waetke 28. Februar 2013

Wenn ein Mitarbeiter bei der Arbeit einschläft, kann er nicht deswegen einfach fristlos gekündigt werden.

In dem Verfahren vor dem hessischen Landesarbeitsgericht ging es um die Frage, ob ein schlafender Mitarbeiter abgemahnt werden muss oder gleich gekündigt werden kann. Nach Auffassung der hessischen Landesarbeitsrichter muss grundsätzlich zunächst abgemahnt werden: Die Kündigung darf keine Strafe für ein einmaliges schlechtes Verhalten des Mitarbeiters sein, sondern soll den Arbeitgeber vor einer schlechten Zukunftsprognose schützen.

Außerdem: Zum Zeitpunkt des Schlafens gab es vorübergehend akut nichts zu arbeiten. Der Mitarbeiter hatte in einem Pausenraum geschlafen; es gab keine Anzeichen dafür, dass er nicht wieder aufgewacht wäre, wenn tatsächlich Arbeit angestanden hätte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Eine Kündigung bzw. wohl sogar schon eine Abmahnung wäre erst recht nicht gerechtfertigt, wenn der Mitarbeiter bspw. auf einer Veranstaltung zu Gunsten seines Arbeitgebers die gesetzlich zulässigen Höchst-Arbeitszeiten überzieht. Denn außerhalb der gesetzlich zulässigen Arbeitszeit hat der Arbeitgeber ohnehin keinen Anspruch auf die Arbeitsleistung seines Mitarbeiters, dann darf dieser auch beruhigt einschlafen…

Das Landesarbeitsgericht hat sich nicht mit der Frage beschäftigt, ob die Abmahnung einem schlafenden Mitarbeiter überhaupt zugehen kann oder ob der Schläfer vorher aus seinen Träumen geholt werden muss…  :twisted:

Und der zweite gleich hinterher: Das Bundesverwaltungsgericht hatte einmal mit Blick auf einen schlafenden Richter während einer Gerichtsverhandlung entschieden, dass geschlossene Augen nicht zwingend Schlaf bedeuten. Vielmehr können geschlossene Augen auch ein Zeichen von erhöhter Aufmerksamkeit sein. Diesen Effekt haben sich die Verwaltungsrichter offenbar aus den Schulen und Universitäten abgeschaut: Dort sitzen auch alle Schüler und Studenten „aufmerksam“ herum.

Wir lernen: Wer auf der Arbeit will pennen, der muss dann umso schneller rennen, will er seinem Chef mit Erfolg danach beweisen, dass er nicht wirklich war auf geist´gen Reisen.