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339/16 Wenn schon dunkel, dann sicher

339/16 Wenn schon dunkel, dann sicher

Von Thomas Waetke 22. August 2016

Die Bayern sind schon Füchse: Wenn es hoch geht, geht es auch irgendwann wieder runter.

Diese Aussage könnte aus einem Motivations-Seminar stammen. Sie betrifft aber nicht nur den Erfolg eines Unternehmens, sondern auch die Verkehrssicherungspflicht: Wer eine Treppenstufe hochgeht, muss damit rechnen, dass er irgendwann auch eine Treppenstufe wieder hinuntergehen muss. Mit dieser erhellenden Information hat das Oberlandesgericht München zwei Streithanseln einen Vergleich schmackhaft gemacht:

Eine Besucherin eines hipp eingerichteten Verkaufsladens war über eine Treppenstufe gestolpert und wollte 12.000 Euro Schmerzensgeld haben. Letztlich einigte man sich auf 5.000 Euro. Der Laden war – dem Verkaufskonzept geschuldet – recht dunkel, und die Stufe nur schwach beleuchtet. Ein Mitarbeiter bestätigte, dass man die Stufe kaum erkennen könne, wenn der Laden voll sei.

Der Besucherin wurde nun vorgehalten, dass sie schon mit gesteigerter Vorsicht sich durch den Laden hätte bewegen müssen, da sie beim Betreten ja erkannt habe, dass es dunkel sei.

Allerdings befanden die Richter auch, dass ein dunkler Laden zwar nicht verboten sei – dann aber dürfe er keine besonderen Gefahrenstellen mehr aufweisen; gerade wenn der Laden künstlich verdunkelt werde, könne bzw. müsse man auch umgekehrt dafür sorgen, dass Stolperstellen für den Besucher nicht mehr bestünden, so das Oberlandesgericht.

Die 12.000 Euro Schmerzensgeld waren aber auch den Richtern etwas zu viel, zumal die Besucherin hätte wisse müssen: Wenn es hoch geht, geht’s auch wieder runter – und wissen müssen, dass sie irgendwann die Stufe, die sie eben noch hochgegangen sei, irgendwann wieder hinunter gehen müsse.

Das Problem ist alltäglich: Das Konzept sieht bestimmte Farben, Lichter, Töne, Gestaltungen usw. vor. Und allzu oft wird dabei vergessen, dass tolle Farbe, tolles Licht, tolle Töne und tolle Gestaltungen ein Risiko bergen können. Das gilt auch für Nebel, Lichteffekte usw…: Wenn ich es dem Besucher nicht ermögliche, dass er Gefahrenstellen erkennen kann, besteht auch immer ein Haftungsrisiko.

 

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