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aus dem Eventrecht

Wenn der Türsteher böse wird

Von Thomas Waetke 29. Januar 2011

Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hat bei einem Musikkonzert am Donnerstag abend in Düsseldorf einen Besucher niedergeboxt. Der Besucher soll sich dabei schwer verletzt haben und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die Polizei ermittelt nun gegen den Türsteher wegen Körperverletzung, da ersten Zeugenangaben zufolge der Türsteher unvermittelt zugeschlagen hatte, nachdem der Besucher lediglich gesagt haben soll „Was für Typen hier“.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Die Ermittlungen der Polizei dienen der Strafverfolgung. Wie sieht es aber zivilrechtlich aus, wenn der verletzte Besucher Schadenersatz und Schmerzensgeld haben will?

Der Verletzte kann vom Türsteher Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen, wenn dieser nicht in Notwehr (= um sich selbst zu verteidigen) oder Nothilfe (= um anderen zu helfen) gehandelt hätte.

Der verletzte Besucher könnte aber auch (zusätzlich) einen Anspruch gegen den Veranstalter haben, der den Türsteher beauftragt hat. Immerhin haben ja der Besucher und der Veranstalter einen Vertrag geschlossen (den Vertrag über den Besuch der Veranstaltung).

Und grundsätzlich ist es nicht erlaubt, einen Besucher zu schlagen (das mag den einen oder anderen jetzt zwar verwundern, ist aber wirklich so).

Ein solcher Anspruch gegen den Veranstalter könnte bestehen, wenn

  • der eigentliche Täter (der Türsteher) eine unerlaubte Handlung begangen hat und
  • dieser Täter ein Gehilfe (Erfüllungs- oder Verrichtungsgehilfe) des Veranstalters war.

Grundsätzlich dürfte hier der Türsteher ein so genannter Verrichtungsgehilfe sein (siehe § 831 BGB). Für dessen Fehlverhalten haftet dann auch der Veranstalter.

Der Veranstalter würde allerdings dann nicht haften müssen, wenn es ihm gelingt nachzuweisen (siehe § 831 Abs. 1 Satz 2 BGB), dass …

  • er bei der Auswahl der bestellten Person die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat, oder
  • der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden wäre.

Hierzu müsste der Veranstalter bspw. nachweisen können, dass er Referenzen eingeholt hat, den Türsteher über Vorstrafen befragt hat und sich ein polizeiliches Führungszeugnis hat geben lassen. Hat der Veranstalter dies nicht getan, so kann er sich auch der Haftung nicht entziehen.

Der verletzte Besucher kann also grundsätzlich sowohl den Türsteher als auch den Veranstalter in Anspruch nehmen (und kann sich aussuchen, von wem er das Geld nimmt; er bekommt natürlich nur einmal seine Ansprüche erfüllt).