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aus dem Eventrecht
Wenn der Künstler gegen den Veranstalter pöbelt

Wenn der Künstler gegen den Veranstalter pöbelt

Von Thomas Waetke 31. März 2017

Was kann der Veranstalter tun, wenn der von ihm gebuchte Künstler pöbelt – gegen den Veranstalter?

Zwischen Veranstalter und Künstler besteht ein Vertrag, wodurch Pflichten für beide Vertragspartner bestehen. Eine solche Pflicht steht „unsichtbar“ im Vertrag, d.h. sie wird nicht ausdrücklich vereinbart, sie wird vielmehr juristisch in den Vertrag hineininterpretiert: Die Loyalitäts- und Fürsorgepflicht.

Sie bedeutet, dass sich die Vertragspartner nicht unnötig schlecht machen dürfen in der Öffentlichkeit.

Dadurch wird bspw. eben der Künstler allerdings in seiner verfassungsrechtlich garantierten Meinungsfreiheit beschränkt. Da aber der Veranstalter die ebenfalls verfassungsrechtlich garantierte Berufs- und Eigentumsfreiheit auf seiner Seite hat, müssen die Rechte des Künstlers auf freie Meinungsäußerung mit den Rechten des Veranstalters abgewogen werden. Der Künstler bekommt ja immerhin im Regelfall auch Geld für den Auftritt, und der Veranstalter könnte sich kaum gegen die Pöbeleien wehren.

Unter dem Strich ist der Künstler grundsätzlich verpflichtet, nicht schlecht über den Veranstalter zu reden. Das gilt jedenfalls für die Zeit des Auftritts, und grundsätzlich wohl auch eine gewisse Zeit davor und danach. Wie lange genau, ist dann eine Frage des Einzelfalls.

Vergleichbar ist es auch im Verhältnis zu Sponsoren des Veranstalters.

Veranstalter zeigt sein wahres Gesicht

Ein Argument contra Pöbel-Recht kann auch sein: Der Künstler weiß bei Vertragsschluss ja, auf wen er sich einlässt. Das kann natürlich anders sein, wenn vor Vertragsschluss der Künstler den Veranstalter ganz toll findet – und plötzlich ändert der Veranstalter bspw. seine politische Einstellung, die der Künstler ablehnt.

Der Künstler könnte ein Sonderkündigungsrecht haben, wenn sich sein Image in der Öffentlichkeit so gar nicht mehr mit seinem Auftritt bei dem veränderten Veranstalter in Einklang bringen ließen und der Künstler nun Schäden an seinem Image befürchten müsste.

 

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