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aus dem Eventrecht

Wenn der Besucher am VIP-Zutritt gehindert wird

Von Thomas Waetke 18. April 2012

Der Schauspieler Johnny Depp wurde von einer Frau verklagt, die angeblich von Depp´s Bodyguards während eines Konzerts von Iggy Pop in Los Angeles gewaltsam vertrieben wurde.

Die 48-jährige Medizinprofessorin hatte nach eigenen Angaben ein Ticket für den VIP-Bereich und wollte diesen gerade betreten, als die Bodyguards von Depp die Frau angriffen und zu Boden warfen. Angeblich soll Depp seine Bodyguards dazu angewiesen haben. Die Frau behauptet, zu Boden gedrückt und danach unsanft weggetragen worden zu sein, und fordert offenbar 25.000 US-Dollar.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

„Normalerweise“ wirft  ja der Veranstalter seinen Besucher raus oder lässt nicht in gewisse Bereiche vor, und darüber streitet man sich später. Neu ist, dass dann nun schon Besucher untereinander das Hausrecht ausüben…

1.) Der Veranstalter

Veranstalter und Besucher schließen einen Vertrag. Während sich der Besucher verpflichtet, den Eintritt zu zahlen, ist der Veranstalter verpflichtet, die versprochene Show zu liefern.

Wenn der Besucher einen Sitzplatz mitbestellt hat, dann kann in Bezug auf den Sitzplatz das Mietrecht gelten, wenn es Streit geben sollte.

Kann der Veranstalter dem Besucher den Sitzplatz nicht zur Verfügung stellen, müsste der Besucher den Sitzplatz (= den Anteil des Platzes im Verhältnis zum Ticketpreis nicht bezahlen). Schwierig wird es, wenn der Sitzplatz nicht wie gewollt in der Mitte ist, sondern der Veranstalter nur noch einen Sitzplatz ganz hinten in der Ecke anbieten kann. Hier kommt es dann auf den Einzelfall an, was dem Besucher zumutbar wäre. Im Extremfall kann die Nicht-Zurverfügungstellung des Sitzplatzes natürlich auch dazu führen, dass der Veranstalter den gesamten Vertrag nicht erfüllt und der Besucher den kompletten Ticketpreis zurückverlangen kann (insbesondere wenn er die Show gar nicht mehr anschauen kann).

2.) Der andere Besucher

Wenn es Ärger zwischen zwei Besuchern gibt und der eine dafür sorgt, dass der andere rausfliegt, dann muss der Veranstalter sich zumindest schützend vor den fliegenden Besucher stellen. Zwar hat der Veranstalter seine Leistung (= Sitzplatz zur Verfügung stellen) erbracht. Allerdings muss er den Besucher auch darin unterstützen, dass er ihn behalten kann, dies ist zumindest eine so genannte vertragliche Nebenpflicht des Veranstalters.

Und, sollte der andere Besucher unseren Musterbesucher tatsächlich angegriffen haben, dann haftet er auch dafür, solange er nicht in Notwehr gehandelt hat. Soweit die Bodyguards gehandelt haben und nicht der Auftraggeber persönlich, so kann er trotzdem für deren Handeln verantwortlich gemacht werden: Sei es, weil er den konkreten Auftrag erteilt hat, die Besucherin zu entfernen, sei es, weil er es geduldet hat und unschwer hätte eingreifen können.

Und schließlich gibt es die Haftung für den „Gehilfen„: Wer einen anderen eine Arbeit für sich erledigen lässt, haftet grundsätzlich für dessen Fehler. Der Auftraggeber kann sich aber ggf. aus der Sache wieder rausziehen („exkulpieren“), wenn er nachweisen kann, dass er seinen Helfer sorgfältig ausgewählt und überwacht hat (siehe § 831 Abs. 1 BGB).