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aus dem Eventrecht

Wenn der Band das eigene Konzert nicht gefällt

Von Thomas Waetke 14. September 2012

Beim Auftritt der britischen Band Coldplay in München am Mittwochabend brach der Sänger der Band einen Song ab. Er begründete dies damit, dass er den Song schlecht gespielt habe. Mit dem Hinweis „Ihr verdient eine bessere Version“ spielte die Band das Stück nochmals. Das Verhalten der Band in allen Ehren – wir wollen uns einmal die Rechtslage anschauen, wenn dem Veranstalter oder dem Besucher das Konzert nicht gefällt.

Zunächst ist festzuhalten, dass ein „Nichtgefallen“ juristisch immer schwer zu fassen ist. Meinungen und Empfindungen sind bekanntlich immer sehr unterschiedlich. Während dem einen Besucher das Konzert gut gefällt, kann der andere Besucher verärgert oder enttäuscht sein.

Wann kann also ein Besucher sein Eintrittsgeld zurückfordern oder der Veranstalter die Zahlung der Gage verweigern?

1. Dem Veranstalter gefällt die Leistung nicht

Der Künstler schließt mit dem Veranstalter einen Vertrag. Inhalt des Vertrages ist unter anderem, dass der Künstler das Konzert spielt. Ohne an dieser Stelle auf den Unterschied zwischen Dienstvertrag und Werkvertrag einzugehen, kann zumindest festgehalten werden, dass der Künstler verpflichtet ist, zumindest das Konzert so abzuliefern, wie es für ihn üblich ist. Weicht der Künstler von dieser Üblichkeit ab, beispielsweise weil er das Konzert deutlich verkürzt oder weil er im Vergleich zu den anderen Konzerten gelangweilt in der Ecke herumsteht, so hat er seine vertragliche Leistung nicht erfüllt. Wenn der Künstler aber seine vertragliche Leistung nicht erfüllt, muss der Veranstalter auch die Gage nicht bezahlen.

Erfüllt der Künstler seine Leistung fahrlässig oder vorsätzlich nicht, so würde er sich sogar gegenüber dem Veranstalter schadensersatzpflichtig machen.

Bekanntlich gibt es zwei Arten von Verträgen für die Konstellation Veranstalter und Künstler: Einerseits der Dienstvertrag und andererseits der Werkvertrag. Wenn die Vertragspartner in ihrem Vertrag nichts besonderes geregelt haben, gelten die gesetzlichen Regelungen.

Würde es sich um einen Dienstvertrag handeln (was man im Vorfeld häufig nicht sicher wissen kann), so hätte der Veranstalter nicht einmal ein Minderungsrecht. Der Veranstalter kann bei einem Dienstvertrag die Gage nicht mindern, da es im Dienstvertragsrecht keine Gewährleistung gibt. Ist der Vertrag zwischen Künstler und Veranstalter also ein Dienstvertrag, dann gibt es nur schwarz oder weiß: Stellt sich heraus, dass der Künstler seine Leistung nicht abgeliefert hat, muss der Veranstalter keine Gage bezahlen. War die Leistung des Künstlers aber zumindest noch vertretbar, muss der Veranstalter beim Dienstvertrag die Gage in voller Höhe bezahlen.

Ein Minderungsrecht hätte der Veranstalter nur, wenn es sich bei dem Vertrag um einen Werkvertrag handelt. Beim Werkvertrag gibt es nämlich Gewährleistung, insbesondere eben die Minderung (§ 638 BGB).

Da im Vorfeld eine Unterscheidung zwischen Dienst- oder Werkvertrag schwierig ist, macht es Sinn, u.a. das Thema Gewährleistung im Vertrag individuell zu regeln.

2. Dem Besucher gefällt das Konzert nicht

Der Besucher und der Veranstalter schließen ebenfalls einen Vertrag. Gegenstand dieses Vertrages ist, dass der Veranstalter ein Konzert mittlerer Art und Güte abliefert. Wenn der Künstler beispielsweise gelangweilt in der Ecke steht, liefert der Veranstalter die dem Besucher versprochene Leistung nicht ab. Damit erfüllt der Veranstalter seine vertraglichen Pflichten nicht, so dass der Besucher auch das Eintrittsgeld nicht bezahlen muss. Typischerweise hat der Besucher aber vor dem Eintritt in das Konzert den Eintrittspreis bereits bezahlt, so dass er ihn in einem solchen Fall wieder zurückverlangen könnte.

Derjenige, der sich auf ein unterdurchschnittliches Konzert beruft, muss dies auch beweisen. Will der Veranstalter also die Gage nicht auszahlen, so müsste er beweisen, dass die Leistung des Künstlers mangelhaft war.