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aus dem Eventrecht
Wenn das Brauchtum zuschlägt…

Wenn das Brauchtum zuschlägt…

Von Thomas Waetke 4. Januar 2017

Der sog. Krampus ist in Bayern Tradition: Das hat im Advent bei einer Nikolausfeier in einem Sportverein ein junges Mädchen erfahren, als es vom Krampus einen leichten Klapps mit der Rute auf den Hintern bekommen hat. Als Schlägerei hingegen scheinen die Eltern des Mädchens das Traditionsgehabe aufgefasst zu haben, und fordern von dem Veranstalter: „Wir erwarten, dass sich der Krampus bei uns meldet, sich entschuldigt und versichert, dass er von solchen gesetzeswidrigen Maßnahmen künftig Abstand nimmt.“

Die Eltern beziehen sich dabei auf § 1631 BGB, der dem Kind eine gewaltfreie Erziehung gewährleisten soll.

Der Krampus selbst wurde daraufhin schnell entarnt, der sich aber auch nicht entschuldigen möchte. Schließlich habe der Klapps Tradition, außerdem habe er nicht erkennen können, dass die Kinder Angst vor ihm gehabt hätten.

Natürlich ist das Schlagen einer anderen Person erst einmal unzulässig und eine Körperverletzung. Wenn also ein Krampus einen Menschen schlägt, sei es auch nur leicht, ist das erst einmal unzulässig. Allerdings kann es Bereiche geben, in denen die Körperverletzung erlaubt ist (siehe auch die Einwilligung in § 228 StGB), z.B. bei einvernehmlichen (!) Sadomaso-Spielen oder eben auch im Brauchtum. Da kann es allenfalls eine Rolle spielen, ob der Betroffene erkennen kann, dass er gerade nicht überfallen wird, sondern dass es sich um ein traditionelles, ungefährliches Verhalten handelt.

Auf Nummer sicher würde der Krampus also gehen, wenn er sein potentielles Opfer mit einem bayerischen Dialekt anspricht – und so Hamburger, Badener, Berliner und andere Ausländer aussortiert, die seinen Schlag womöglich als Attacke missdeuten könnte ;-)

 

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