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165/18 Weniger Plastikmüll: EU stellt Maßnahmen vor

165/18 Weniger Plastikmüll: EU stellt Maßnahmen vor

by 27. Juni 2018

Die ersten großen Festivals diesen Jahres sind vorbei, und erneut hinterlassen sie ihre Spuren: Hunderte Tonnen Müll, die die Festivalbesucher zurücklassen: Zelte, Pavillons, Grills, Flaschen, Bierkisten, Stühle, Campingausrüstung, Kronkorken… da kommen bei 65.000 Besucher schon mal 500 Tonnen zusammen.

Umgerechnet auf den normalen Jahresverbrauch in Deutschland verursacht ein Festivalbesucher so ungefähr doppelt so viel Müll als normal zu Hause.

Den Veranstaltern entstehen dadurch auch ganz erhebliche Kosten, da Heerscharen von Helfern tagelang damit beschäftigt sind, Unrat aus Wiesen und Feldern zusammen zu sammeln. Viele Veranstalter verlangen von ihren Besuchern Müll-Pfand, den sie bei Abgabe eines Müllsackes am Ende des Festivals wieder erstattet bekommen. Aber auch das hindert die Leute nicht, ihren Müll in gigantischen Mengen einfach zurückzulassen.

Das Müllproblem hat zwischenzeitlich, wenn auch mit anderen Schwerpunkten, auch die EU auf den Plan gerufen: Sie hat vor ein paar Tagen ihre Maßnahmenpläne zur Eindämmung von Plastik-Müll vorgestellt. Beispiel Strohhalme: Weltweit werden pro Tag (!) ca. 3 Milliarde Plastikstrohhalme verbraucht, allein Deutschland verbraucht pro Jahr ca. 40 Milliarden.

Die EU hat nun folgende Ideen:

  • Verbot von Kunststoff in bestimmten Produkten: Wenn erschwingliche Alternativen zur Verfügung stehen, werden die Einwegkunststoffprodukte vom Markt genommen. Das Vermarktungsverbot soll für Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff gelten, die vollständig aus umweltfreundlicheren Materialien hergestellt werden müssen. Einweggetränkebehälter, die Kunststoff enthalten, werden nur dann zugelassen, wenn ihre Deckel und Verschlüsse an ihnen befestigt sind.
  • Zielvorgaben für die Verbrauchsminderung: Die Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, dass weniger Lebensmittelverpackungen und Getränkebecher aus Kunststoff verwendet werden. Dies können sie erreichen, indem sie nationale Ziele für die Verbrauchsminderung festsetzen, die Verfügbarkeit alternativer Produkte in den Geschäften verbessern oder sicherstellen, dass Einwegkunststoffprodukte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
  • Verpflichtungen für die Hersteller: Die Hersteller werden zur Deckung der Kosten für die Abfallbewirtschaftung und die Säuberung der Umwelt sowie für Sensibilisierungsmaßnahmen herangezogen. Dies gilt für die folgenden Kunststoffprodukte: Behälter, Tüten und Folienverpackungen für Lebensmittel (z.B. für Chips und Süßigkeiten), Getränkeflaschen und -becher, Tabakerzeugnisse mit Filtern (z.B. Zigarettenstummel), Feuchttücher, Luftballons und leichte Kunststofftragetaschen. Die Industrie wird auch Anreize erhalten, für diese Produkte weniger umweltschädliche Alternativen zu entwickeln.
  • Zielvorgaben für die Sammlung: Die Mitgliedstaaten werden verpflichtet, bei Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2025 eine Sammelquote von 90% zu erreichen, z.B. durch Pfandsysteme.
  • Kennzeichnungsvorschriften: Auf bestimmten Produkten muss in klarer, standardisierter Weise angegeben werden, wie sie zu entsorgen sind, welches die negativen Umweltauswirkungen des Produktes sind und dass das Produkt Kunststoff enthält. Dies wird für Hygieneeinlagen, Feuchttücher und Luftballons gelten.
  • Sensibilisierungsmaßnahmen: Die Mitgliedstaaten werden dazu verpflichtet, die Verbraucher für die negativen Auswirkungen einer unsachgemäßen Entsorgung von Einwegkunststoffprodukten und Fischfanggeräten sowie für die verfügbaren Wiederverwendungssysteme und Abfallbewirtschaftungsmöglichkeiten für alle diese Produkte zu sensibilisieren.

Die Vorschläge der EU-Kommission werden nun dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Annahme vorgelegt. Anlässlich des Weltumwelttages am 5. Juni wird die EU-Kommission zudem eine EU-weite Sensibilisierungskampagne starten, um das Bewusstsein der Verbraucher dafür zu schärfen, dass es auch auf ihre Entscheidungen und das Verhalten eines jeden ankommt, wenn es um die Bekämpfung der Umweltverschmutzung durch Plastik und der Vermüllung der Meere geht.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Abfallentsorgung bei Veranstaltungen,: © jozsitoeroe - Fotolia.com