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aus dem Eventrecht

Weiteres Gutachten: Zu wenig Ordner?

Von Thomas Waetke 4. Juni 2013

Ein weiteres Gutachten bringt die Verantwortlichen der Loveparade 2010 in Duisburg weiter unter Druck. Nachdem bereits der von der Staatsanwaltschaft beauftragte englische Panikforscher Keith Still festgestellt hat, dass die Loveparade gar nicht hatte ohne Unglück ablaufen können, behauptet nun ein weiteres Gutachten weitere erhebliche Mängel.

So soll auf dem 110.000 Quadratmeter großen Gelände lediglich 234 Ordner eingesetzt gewesen sein, während für die Show und den V.I.P.-Bereich knapp 650 Ordner eingesetzt waren. Das Gutachten, von dem der Focus berichtet, bemängelt zudem die mangelhafte Erfahrung der Ordner. Die Staatsanwaltschaft bestätigte das Vorliegen des Gutachtens, wollte es aber nicht kommentieren.

Nach Informationen des Focus soll, wie aus dem Gutachten hervorgeht, ein Anwalt des Loveparade-Veranstalters die Stadt Duisburg massiv unter Druck gesetzt haben, zudem auch eindeutige Hinweise erteilt haben, wie man Vorschriften umgehen könne. Der Anwalt habe demnach offenbar einen risikoreicheren Weg vorgeschlagen, die Genehmigung zu erteilen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Die Liste der Mängel, die für die Katastrophe ursächlich sein können, ist lang. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass es bei der Frage, wer strafrechtlich für 21 Tote und über 500 Verletzte verantwortlich ist, insbesondere auf die persönliche Vorwerfbarkeit der einzelnen Beschuldigten ankommt. Allein, weil (derzeit noch nicht gerichtlich rechtskräftig festgestellte) Mängel bestanden und Fehler gemacht wurden, heißt das nicht automatisch, dass es dafür auch einen Schuldigen gibt, der strafrechtlich dafür verantwortlich ist.

Sollte Anklage erhoben werden, kommt auf das Gericht eine Mammutaufgabe zu: Die Staatsanwaltschaft hat mehrere tausend Zeugenaussagen und über tausend Stunden Videomaterial ausgewertet. Das Gericht wird etwaige Fehler herausarbeiten, und hiernach prüfen müssen, ob bzw. welche Fehler den einzelnen Angeklagten zuzuordnen sind.