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92/18 Vorgaben des Auftraggebers und künstlerische Freiheit des Auftragnehmers

92/18 Vorgaben des Auftraggebers und künstlerische Freiheit des Auftragnehmers

12. April 2018

Ein Unternehmen beauftragt für seinen Firmenjubiläum eine Agentur mit der Herstellung eines ca. 5 minütigen Videoclips. In diesem Video soll ein Parodist in verschiedenen Rollen auftreten. Der Auftraggeber hatte genaue Vorstellung von dem Video, es sollte im Vorfeld ein telefonisches Briefing dazu geben. Als Vorlage diente ein Video eines Radiosenders; bis zu 10 Prominente sollten in einer bestimmten Reihenfolge parodiert werden, keinesfalls sollten verstorbene Prominente vorkommen.

Als das Video dann fertig war, wollte der Auftraggeber aber nicht bezahlen: Das Video entsprach nicht seinen Vorstellungen und Vorgaben – auch nicht den angeblich telefonisch erläuterten Vorgaben, die die Agentur bestritten hatte.

Schließlich landete dieser Fall vor dem Landgericht Köln.

Das Gericht wies die Zahlungsklage der Agentur ab:

In Bezug auf den Streit, was die beiden Vertragspartner am Telefon besprochen haben oder nicht, hatte das Gericht beide Vertragspartner angehört, und schenkte letztlich dem Auftraggeber mehr Glauben: Der Auftraggeber (bzw. die verantwortliche Mitarbeiterin) konnte nämlich sehr detailliert schildern, was besprochen worden sein soll. Der von dem Auftragnehmer betreute Parodist hingegen konnte keinerlei Angaben zum telefonischen Briefing machen. Er habe vielmehr nach seiner sonst bei allen Aufträgen üblichen Routine gehandelt, konnte er nur noch sagen.

Auch wenn das Gericht (wenig überraschend) feststellte, dass einem Künstler immer auch ein zumindest bisschen künstlerische Gestaltungsfreiheit zugute kommt – es wies letztlich die Zahlungsklage des Auftragnehmers ab: Das gelieferte Video hatte nicht die vereinbarte Beschaffenheit.

Was lernen wir daraus?

Unter anderem, wie wichtig es ist, dass die eigenen Mitarbeiter/Auftragnehmer gut aufpassen, wenn der Auftrag formuliert bzw. besprochen wird: Was genau wurde besprochen? Was will der Kunde, was will er nicht? Was leistet der Auftragnehmer, was leistet er nicht? Was kostet es? Wann soll es fertiggestellt sein? usw. Wer hier schludert, verliert unnötigerweise nicht nur Geld.

 

Ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und der Herausgeber und Autor hier auf eventfaq.de

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Stehender Richter-Hammer aus Gerichtssaal: © sergign - Fotolia.com