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170/18 Vision Zero

170/18 Vision Zero

by 2. Juli 2018

Die “Vision Zero” ist die Vision einer Welt ohne Unfälle und unfallbedingte schwere Verletzungen oder Todesfälle. Oberste Priorität hat bei “Vision Zero” die Vermeidung tödlicher und schwerer Unfälle – entsprechend ist das Ziel eine möglichst umfassende Präventionsarbeit.

Das Prinzip Vision Zero kommt ursprünglich aus dem Arbeitsschutz. Schweden hat die Vision Zero im Straßenverkehr seit Ende der 90er Jahre eingebracht, seitdem werden dort neue Straßen nach diesem Prinzip gebaut, bestehende Straßen umgebaut.

Dem Prinzip liegt die Feststellung zugrunde, dass Menschen Fehler machen. Dementsprechend muss das Arbeitsumfeld bzw. das Verkehrssystem so gestaltet sein, dass menschliche Fehler möglichst nicht zu schweren Verletzungen führen können.

Beispiele aus dem Straßenverkehr können sein:

  • Straßen werden an Bushaltestellen so verengt, dass PKW nicht mehr den haltenden Bus überholen können.
  • Kreuzungen werden durch Kreisverkehre ersetzt.

Im Arbeitsschutz (nicht nur dort) kennt man das TOM-Prinzip: Technische Maßnahmen vor organisatorischen Maßnahmen, z.B.:

  • Wenn der Zutritt in einen Bereich gefährlich sein kann, sollte die Maßnahme “Absperrung” vorrangig sein vor der Maßnahme “Unterweisung der Mitarbeiter”, da Mitarbeiter auch trotz Unterweisung ggf. versehentlich in den Bereich gelangen könnten, wenn eine Absperrung fehlt.

Die DGUV bestimmt für den Arbeitsschutz folgende Grundmaximen:

  • Leben ist nicht verhandelbar!
  • Menschen machen Fehler!
  • Toleranzgrenzen sind die körperlichen Belastungsgrenzen des Menschen!
  • Menschen haben ein Grundrecht auf eine sichere Arbeitsumgebung!

Daraus zieht die DGUV folgenden Schluss: Wenn Leben nicht verhandelbar ist und Menschen Fehler machen, dann ist es ethisch nicht akzeptabel, für Fehler mit dem Tod oder schweren Verletzungen zu bezahlen.

Vision Zero auch bei Veranstaltungen?

Die Sicherheitsbranche mag sich freuen: Juhu, ein Argument mehr, Sicherheitsleistungen an den Mann zu bringen. Tatsächlich ist aber auch das Vision Zero-Prinzip der Veranstaltungsbranche nicht gänzlich neu.

Vision Zero hat einen interessanten Ansatz: Im Fokus stehen Maßnahmen, die das jeweilige System (hier z.B. dann die “Veranstaltung”) an den Menschen anpassen und dabei  berücksichtigen, dass (a) Fehler passieren können aber (b) nicht zum Tod eines Menschen führen sollen.

Im Straßenverkehr werden Verkehrsopfer gesellschaftlich akzeptiert: Sie sind der Preis, den wir für die nahezu unbegrenzte Mobilität bezahlen und zu bezahlen bereit sind. Vision Zero setzt auch hier an: Diese Akzeptanz darf es nicht geben; ggf. müssen auch unbeliebte Entscheidungen getroffen werden, um Leben zu retten.

Insoweit macht es einen Unterschied, ob man Unfälle reduzieren möchte, oder sie gar gänzlich verhindern will.

Der Bestandteil “Vision” ist dabei nicht zufällig gewählt: Zu einer Vision gehört, dass sie Ziele vorgibt, deren Weg dahin aber nicht immer einfach sein muss – und auch nicht kostenlos sein kann. Aber: Leben ist nicht verhandelbar.

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