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aus dem Eventrecht

Vertragsbruch durch zickige Künstler?

Von Thomas Waetke 18. Oktober 2012

Ein bekannter Schlagersänger reiste vor der Preisverleihung zum German DJ Award am Montag wieder ab, da ihm nur ein 3-Sterne-Hotel, und kein 4-Sterne-Hotel angeboten wurde. Kann ein Künstler „einfach so“ einen Vertrag kündigen, weil ihm etwas nicht passt?

Oftmals fallen bekannte Künstler mit Kapriolen auf, über die man manchmal nur den Kopf schütteln kann. Natürlich muss man auch verstehen, dass ein Künstler gewisse Standards gerne beibehalten möchte, bzw. beispielsweise auf einer Tour nicht jeden Abend von einem anderen Veranstalter Pizza oder Nudeln vorgesetzt haben möchte.

Darf ein Künstler aber einen Engagement-Vertrag sanktionslos „kündigen“, weil das Catering oder das Hotel nicht passen?

In einem Vertrag gibt es so genannte Hauptpflichten und Nebenpflichten.

Wenn der eine Vertragspartner mit seiner vorleistungspflichtigen Hauptpflicht in Verzug ist, darf der andere Vertragspartner seine Hauptpflicht zurückhalten (§ 320 BGB). Das geht aber nur, wenn einer von beiden vorleistungspflichtig ist.

Der Künstler erhält eine Gage. Die Hauptpflicht des Veranstalters ist, die Gage zu zahlen.

Die Hauptpflicht des Künstlers ist der Auftritt. Beim Vertrag handelt es sich um einen Werkvertrag oder einen Dienstvertrag. In beiden Fällen aber ist nach dem Gesetz die Vergütung erst fällig, nachdem das Werk oder die Leistung erbracht wurden.

Typische Nebenpflichten aus dem Engagement-Vertrag sind die Gestellung des Hotels, eines Parkplatzes, Shuttle-Services oder des Caterings.

Der Künstler kann seine Hauptpflicht nicht verweigern, nur weil ein Wurstbrot fehlt. Dies wäre unverhältnismäßig, und würde gegen den Grundsatz von „Treu und Glauben“ verstoßen, ebenso im Übrigen auch gegen die Schadenminderungspflicht: Der Schaden, sich spontan über einen Gastronomiebetrieb das gewünschte Essen einzukaufen und sich das vom Veranstalter bezahlen zu lassen, ist geringer als eine Veranstaltungsabsage.

Bei den Hotels ist das ähnlich: Der Künstler muss sich fragen, ob er nicht in einer andere Stadt ein Hotel findet bzw. ob ein 3-Sterne-Hotel nicht auch ausreichend wäre anstelle des versprochenen 4-Sterne-Hotels. Immerhin sind die Unterschiede nicht so gravierend (siehe hier), als dies eine Vertragskündigung rechtfertigen würde.