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aus dem Eventrecht

Verpuffung: Schwerverletzte bei Lagerfeuer

Von Thomas Waetke 19. Mai 2012

Auf einem Mittelalter-Fantreffen in Kirchlinteln (Niedersachsen) sind in der Nacht auf Samstag 7 Personen zum Teil schwer verletzt worden, als ein Betreuer das Lagerfeuer mit Brandbeschleuniger neu entfachen wollte. Dabei kam es zu einer Verpuffung.

Ein Verletzter musste in ein künstliches Koma versetzt werden. Er und ein weiterer Verletzter wurden mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen. Für die Landung des Hubschraubers hatte die örtliche Feuerwehr den Lagerplatz ausgeleuchtet. An dem Mittelalter-Lager nahmen 300 junge Leute teil, die nach dem Unfall teilweise von Notfallseelsorgern betreut wurden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Gegen den Betreuer wird strafrechtlich („Staat gegen Bürger“) wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt werden. Im Strafrecht kommt es auf die persönluche bzw. subjektive Erkennbarkeit des Fehlverhaltens an (daher wird ja auch immer wieder die „schlechte Kindheit“ bei Straftätern diskutiert).

Im Zivilrecht („Bürger gegen Bürger“) ist das anders: Hier geht es um die rein objektive Vorhersehbarkeit – der Schädiger kann sich also nicht auf persönliche Unwissenheit oder Müdigkeit oder individuelle Überforderung berufen. Dies wäre nur möglich, wenn objektiv betrachtet Jedermann in derselben Situation auch überfordert oder unwissend wäre. Auch im Zivilrecht kann die fahrlässige Körperverletzung zu einem Schadenersatzanspruch und Schmerzensgeldanspruch führen (siehe § 823 Abs. 1 BGB).