News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Vernichtendes Gutachten zur Loveparade in Duisburg

Von Thomas Waetke 25. Mai 2013

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über das Gutachten des von der Staatsanwaltschaft Duisburg beauftragten Sachverständigen Keith Still, nach dem den Verantwortlichen der Stadt Duisburg und des Veranstalters schwere Vorwürfe gemacht werden.

Auf ca. 90 Seiten kommt Prof. Still zu dem Ergebnis, dass es nicht einmal eine nur theoretische Möglichkeit gegeben hatte, die Loveparade 2010 in Duisburg ohne körperliche oder seelische Schäden durchzuführen.

Der Gutachter weist mithilfe von Berechnungen nach, dass der Veranstalter selbst nicht einmal einfachste Berechnungen vorgenommen haben muss. Denn dann hätte dem Veranstalter auffallen müssen, dass die Rampe viel zu klein war mit Blick auf die Anzahl der erwarteten Besucher. Weil zudem auf der Rampe noch Zäune aufgestellt wurden, wurde die Rampe sogar noch einmal schmaler. Nach Ansicht Stills war die Katastrophe vorhersehbar, eine Genehmigung hätte es niemals geben dürfen.

Hinzu kam wohl auch ein erschreckendes Versäumnis: Es gab verschiedene Meldestellen, die Besucherzahlen melden sollten. Meldete aber eine Stelle keine Zahlen, hatte man in die Gesamtliste eine „0“ eingetragen, unabhängig davon, ob dort tatsächlich keine Besucher vorhanden waren oder doch. Dadurch erschien für die Zentralstelle die Zahl der Besucher natürlich erheblich geringer als sie tatsächlich war.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Dieses Gutachten werden die Anwälte der Beschuldigten nicht einfach achtlos vom Tisch wischen können (sie werden es aber auch extremst genau unter die Lupe und auseinander nehmen), es stützt jedenfalls die schon bisher verbreitete Meinung, „das hätte nicht passieren dürfen“.

Nun liegt es an der Staatsanwaltschaft, mithilfe tausender Zeugen, tagelangem Videomaterial und zigtausenden Seiten Papier zu entscheiden, Anklage zu erheben. Bisher richten sich die Ermittlungsverfahren gegen 15 Personen, darunter Mitarbeiter des Veranstalters, der Stadt Duisburg und der Polizei. Sollte tatsächlich Anklage erhoben werden und sollte das Gericht das Verfahren tatsächlich aufnehmen, dann ist ein Mammutprozess zu erwarten, der sich über viele Jahre und mehrere Instanzen hinziehen und wahrscheinlich leider nicht die Frage klären wird: „Wie konnte das passieren?“ – denn das ist nicht die Aufgabe eines Gerichtsverfahrens, in dem es „nur“ um die individuelle Schuld der Angeklagten geht. Man dürfte aber sicherlich einige wichtige Erkenntnisse aus den Verfahren gewinnen können. Man möge auch bedenken: Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gibt es keinen Schuldigen.