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aus dem Eventrecht

Verletzung beim Luftgitarre spielen

Von Thomas Waetke 10. Januar 2011

Auch das passiert: Bei einer Hochzeitsfeier fing ein Gast an, zu einem bekannten Song Luftgitarre zu spielen. Ein anderer Gast imitierte ihn dabei, verlor beim Vorneüberbeugen das Gleichgewicht und stürzte auf den ersten Gast. Dieser erlitt dabei –  Achtung – ein Rotationstrauma beider Kniegelenke…

Der Verletzter verklagte den umfallenden Luftgitarristen auf Schmerzensgeld und Schadenersatz. Der Fall ging dann immerhin bis zum Oberlandesgericht Hamm, das schließlich urteilte:

Verletzt jemand einen anderen dadurch, dass er beim „Luftgitarre-Spielen” das Gleichgewicht verliert, weil er sich dabei zu weit über einen Mitspieler gebeugt hat und schließlich auf ihn gefallen ist, haftet er dem Verletzten aus § 823 BGB, denn er ist für das die Sturzgefahr begründende Verhalten verantwortlich. Die Sorgfaltsanforderungen sind anders geartet als bei der Teilnahme an Gesellschaftstänzen.“

So so. Dann hätten wir das jetzt also auch gewusst.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Das Oberlandesgericht hat in seiner Gerichtssprache völlig korrekt ausdrücken wollen, dass derjenige, der Blödsinn macht, auch dafür gerade zu stehen hat, wenn etwas passiert. Das Gericht hat feinfühlig danach differenziert, ob sich die beteiligten Luftgitarristen zu einer gemeinsamen Show abgestimmt hätten – denn dann wäre durch aus eine Haftungsquotelung in Betracht gekommen.

Insoweit hat das Oberlandesgericht gnadenlos festgestellt: „Schließlich ist „Luftgitarre” entgegen der im landgerichtlichen Urteil erkennbaren Auffassung schon keine Tanzform, jedenfalls kein Paartanz„.

Der umfallende „Täter“ musste also dem Opfer mit den traumatisierten Knien Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen. Das Gericht noch in Bezug auf den Beklagten: „Der Luftgitarrenspieler tanzt aus der Reihe.“