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aus dem Eventrecht

Verletzte Helfer bei Auto-Rallye

Von Thomas Waetke 14. April 2012

Bei der Coltel Granite City Rally in der Nähe von Aberdeen (Schottland) sind drei Zuschauer teils schwer verletzt worden. Gemeinsam mit anderen Zuschauern halfen sie einem Teilnehmer, der mit seinem Auto im Gebüsch landete.

Die Zuschauer schoben das Fahrzeug gerade wieder zurück auf die Straße, als ein weiteres Fahrzeug in die Gruppe fuhr. Einer der Verletzten musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wenn wie hier ein Zuschauer einem Teilnehmer freiwillig Hilfe leistet und dann verunglückt, stellt sich die Frage nach der Haftung.

1.) Haftung des zweiten Fahrers

Grundsätzlich kann eine Haftung des zweiten Fahrers in Frage kommen, der in die Helfergruppe gefahren ist. Dazu wäre zu prüfen, ob die Unfallstelle für den zweiten Fahrer einsehbar war oder nicht. Denn grundsätzlich muss ein Fahrer bei einer Rallye nicht damit rechnen, dass Zuschauer auf der Strecke herumlaufen.

2.) Haftung des Veranstalters

Grundsätzlich kann auch eine Haftung des Veranstalters in Betracht kommen, wenn man ihm fehlende Sicherheitsvorkehrungen vorwerfen kann: z.B. Kein Abbruch des Rennens, fehlende Flaggenzeichen usw. Ob man ihm einen Vorwurf machen kann, hängt auch davon ab, wie viel Zeit zwischen Erstunfall und Zweitunfall vergangen ist: Hätte der Veranstalter überhaupt die Zeit gehabt, um reagieren zu können?

3.) Mitverschulden des Zuschauers

Ebenso kommt ein Mitverschulden (§ 254 Abs. 1 BGB) des verletzten Zuschauers in Betracht, da er sich wissentlich in Gefahr gebracht hat. Wer als Zuschauer in ein Unfallgeschehen eingreift, erhöht natürlich sein Risiko. Dies wäre eine Frage des konkreten Einzelfalls, was genau der Zuschauer getan oder unterlassen hat.

4.) Versicherung

Für die Verletzten stellt sich auch die Frage nach der Versicherungsleistung.

In dem hier geschilderten Fall kommt die gesetzliche Unfallversicherung in Betracht: Kraft Gesetz sind nämlich unfallversichert Personen, die „bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten oder einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit retten“ (§ 2 Abs. 1 Nr. 13a SGB VII). Dafür müsste geprüft werden, ob es sich um einen Unglücksfall gehandelt hatte.