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aus dem Eventrecht

Verletzte bei Ultramarathon

Von Thomas Waetke 8. September 2011

Bei einem 100-km-Marathon in einem entlegenen Teil im Westen Australiens sind 8 Läufer zum Teil schwer verletzt worden, als sie in einer Schlucht von einem Feuer überrascht wurden. Der Veranstalter hat die Sportveranstaltung abgebrochen, die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung und Körperverletzung.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Für Sportveranstaltungen gelten ähnliche Regeln wie für Vergnügungsveranstaltungen, allerdings gibt es sportbedingte Unterschiede:

1.) Haftung des Veranstalters gegenüber den Sportlern

Der Veranstalter hat gegenüber den teilnehmenden Sportlern Verkehrssicherungspflichten. Bekanntlich muss der Veranstalter das Erforderliche und Zumutbare unternehmen, damit den Teilnehmern nichts passiert. Andererseits darf aber der Veranstalter von einem durchschnittlich vernünftigen und achtsamen Sportler ausgehen.

Der Veranstalter muss den Sportler jedenfalls nicht vor jeder erdenklichen Gefahr schützen. Gerade bei Outdoor-Sportarten und -veranstaltungen weiß der Sportler, dass dort mehr Gefahren lauern als in der Halle.

So hat bspw. das Landgericht Gießen entschieden:

„Anders als gegenüber Zuschauern ist die gegenüber den am Wettkampf teilnehmenden Sportlern bestehende Schutzpflicht eingeschränkt; sie bezieht sich grundsätzlich nicht darauf, die Sportler vor solchen Gefahren zu schützen, die mit ihrer Beteiligung typischerweise verbunden sind. Mit einem durch die Eigenart des Sports erhöhten Gefahrenniveau muss der Teilnehmer rechnen; diese gegenüber dem Alltagsleben gesteigerte Gefahr nimmt er durch seine Beteiligung bewusst in Kauf. Die Verkehrssicherungspflicht des Veranstalters gegenüber dem Sportler ist es daher in erster Linie, diese vor verdeckten oder atypischen Gefahren, zu schützen.“

2.) Haftung der Sportler untereinander

Die Gerichte gehen grundsätzlich davon aus, dass mit Verletzungen durch Mitspieler oder Gegenspieler zu rechnen ist.

Der Bundesgerichtshof hat dazu folgenden Grundsatz aufgestellt:

„Der Teilnehmer an einem sportlichen Kampfspiel nimmt grundsätzlich Verletzungen in Kauf, die auch bei regelgerechtem Spiel nicht zu vermeiden sind. Ein Schadenersatzanspruch gegen einen Mitspieler setzt daher den Nachweis voraus, dass dieser sich nicht regelgerecht verhalten hat. Dieser Grundsatz gilt allgemein für Wettkämpfe mit nicht unerheblichem Gefahrenpotenzial, bei denen typischerweise auch bei Einhaltung der Wettkampfregeln oder geringfügiger Regel die Gefahr gegenseitiger Schadenszufügung besteht.“

3.) Haftung des Veranstalters gegenüber Zuschauern

Der Veranstalter ist jedenfalls verpflichtet, die üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Kein Schmerzensgeld im Stadion.