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Verletzte bei Seifenkistenrennen: Verantwortung des Veranstalters?

Verletzte bei Seifenkistenrennen: Verantwortung des Veranstalters?

Von Thomas Waetke 26. Juni 2014

Verkehrssicherungspflicht bei Sportveranstaltung: Bei einem Seifenkistenrennen in Siegen (NRW) sind am Samstag zwei Kinder schwer verletzt worden. Ein vierjähriges Mädchen kletterte unter den Absperrungen durch und wurde von einem 15-Jährigen Teilnehmer mit seiner Seifenkiste erfasst. Ersten Polizeiangaben erfüllte der Veranstalter alle Auflagen und Vorschriften, sie hat die Ermittlungen aufgenommen. Hier stellt sich die Frage: Welche Maßnahmen muss ein Veranstalter treffen, um zu verhindern, dass Zuschauer (insb. Kinder) in eine abgesperrte Strecke laufen?

Grundsätze für die Verkehrssicherungspflicht bei Sportveranstaltung

Hier gelten erst einmal die normalen Grundsätze wie bei jeder anderen Veranstaltung auch:

  • Die Anlagen einer Veranstaltungsstätte müssen grundsätzlich so beschaffen sein, dass die Benutzer vor vermeidbaren Gefahren bewahrt bleiben.
  • Dabei muss der Verantwortliche (Betreiber und/oder Veranstalter) auch in Betracht ziehen, dass insbesondere Kinder und Jugendliche dazu neigen, Vorschriften und Anordnungen nicht zu beachten und sich unbesonnen verhalten; deshalb kann die Verkehrssicherungspflicht auch die Vorbeugung gegenüber unbefugten und missbräuchlichem Verhalten umfassen. Dabei darf der Verantwortliche lediglich ein gänzlich unvernünftiges, äußerst leichtfertiges Verhalten von Kindern und Jugendlichen in seine Überlegungen nicht einbeziehen.

Bspw. muss der Veranstalter eines Seifenkistenrennens damit rechnen, dass Zuschauer nach vorne drängen, um gut die Strecke einsehen zu können. Er muss auch damit rechnen, dass ein in erster Reihe stehender Zuschauer von hinter ihm stehenden Zuschauern nach vorne geschoben wird.

Schließlich muss der Veranstalter auch damit rechnen, dass nicht der Zuschauer in die Strecke gerät, sondern der Fahrer von der Strecke abkommt und in die Zuschauer fährt.

Die Gefahr, dass die Fahrer durch mangelnde Erfahrung, Wagemut, Ungeschicklichkeit oder technische Defekte die Beherrschung über das Fahrzeug verlieren, liegt bei einem Seifenkistenrennen von Kindern in der Natur der Sache, so bereits das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem Urteil aus 1993.

Tipps von Rechtsanwalt Thomas Waetke

  1. Erteilt die zuständige Behörde Auflagen zur Absicherung der Strecke, sind diese als Mindestmaßnahmen anzusehen: Der Veranstalter muss selbst prüfen, ob er weitergehende Maßnahmen treffen muss.
  2. Wer nicht über ausreichende Erfahrung in dem Bau und der Ausrichtung von Seifenkistenrennen verfügt, muss zur Absicherung der Strecke fachlichen Rat einholen. Beispielsweise kann hierzu ein Branchenverband/Verein befragt werden oder Fachleute, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben (auch für Seifenkistenrennen gibt es Fachverbände). Das gilt selbstverständlich auch außerhalb von Seifenkistenrennen!

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • fahrender Rettungswagen (von rechts nach links) (Symbolbild): © k_rahn - Fotolia.com