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aus dem Eventrecht

Essen: Besucher stürzt mehrere Meter tief

Von Thomas Waetke 20. Oktober 2014

Auf einer Erstsemester-Party an der Uni Essen ist ein Besucher mehrere Meter tief über ein Geländer abgestürzt und hat sich dabei schwer verletzt. Offenbar ist er aus Unachtsamkeit heruntergestürzt, die Polizei konnte kein Fremdverschulden feststellen. Inwieweit können hierfür Betreiber und/oder Veranstalter verantwortlich gemacht werden? Gibt es eine Verkehrssicherungspflicht bei Geländern?

Von einem Gebäude und/oder einer Veranstaltung gehen Gefahren aus. Um diese auf ein vertretbares und akzeptables Mindestmaß zu reduzieren, sind die Vorschriften einzuhalten – ebenso auch die sog. Verkehrssicherungspflichten; hiernach ist das Erforderliche und Zumutbare zu unternehmen, dass nichts passiert.

Eine Treppe stellt eine Gefahr dar, da man herunterstürzen könnte, oder eben wie hier wohl geschehen über ein Geländer.

Entspricht das Geländer den gesetzlichen Vorschriften, zumindest aber dem Stand der Technik, dann kann man zunächst einmal dem Betreiber des Gebäudes grundsätzlich keinen Vorwurf machen.

Das wäre dann anders, wenn der Betreiber Kenntnis davon hatte oder es ihm sich hätte aufdrängen müssen, dass die Einhaltung der Vorschriften bzw. der Stand der Technik offenbar für die konkrete Gefahrenstelle nicht ausreichend ist. Das kann bspw. dann der Fall sein, wenn das Geländer für den Besucher kaum erkennbar ist, der Weg am Geländer vorbei von der Vielzahl der Besucher gegangen werden muss, Unfälle aus der Vergangenheit bekannt sind usw. Dann reicht es ggf. nicht mehr aus, sich „nur“ an die Gesetze zu halten.

Hinweis von Rechtsanwalt Thomas Waetke

Das gilt überall: Allein die 100%-ige Umsetzung von Vorschriften gemäß ihrem Wortlaut reicht nicht aus. Der Verantwortliche muss immer zusätzlich prüfen, ob bei seiner konkreten Veranstaltung aufgrund der individuellen Begebenheiten doch mehr unternommen werden muss, um Schaden zu vermeiden.