News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
Vergütungsstruktur in der Eventbranche

Vergütungsstruktur in der Eventbranche

Von Thomas Waetke 14. Oktober 2014

Nach meinem Beitrag vom 8.10. zum Lokführer-Streik haben uns einige Zuschriften erreicht. Diese wollen wir aufgreifen und als Denkansatz folgende Thesen einfach mal in den Raum stellen:

Die Gage für die Künstler ist oftmals sehr hoch, dafür dass er „nur“ ein paar Stunden auf der Bühne steht. Im Verhältnis ist die Vergütung für bspw. einen Techniker oder Ordner erheblich niedriger. Die Besucher aber kommen „wegen“ dem Künstler, und nicht wegen Techniker oder Ordner. Der Künstler kann nicht auftreten ohne den Techniker und den Ordner. Umgekehrt hätten der Techniker und Ordner keinen Auftrag ohne den Künstler.

Der Künstler trägt die Verantwortung „nur“ insoweit, dass die Besucher zufrieden sind und wieder kommen. Damit sichert er auch dem Techniker und dem Ordner seinen nächsten Auftrag.

Der Techniker und Ordner hingegen trägt ebenfalls Verantwortung dafür, dass der Besucher zufrieden ist. Unfreundliche Ordner oder unfähige Techniker können ebenfalls dazu beitragen, dass künftig weniger Besucher kommen.

Techniker und Ordner tragen aber, im Verhältnis zum Künstler auch erheblich gesteigert, eine persönliche Verantwortung: Machen Sie einen Fehler, können sie strafrechtlich dafür belangt werden. Natürlich kann auch dem Künstler ein Missgeschick passieren, dass Besucher oder andere verletzt werden. Allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass der Techniker berufsbedingt eher einen Schaden verursacht, der zugleich erhebliche Auswirkungen haben kann. Insbesondere ein Ordner geht sogar noch das Risiko ein, selbst verletzt zu werden.

Vor diesem Hintergrund steht die Vergütung für den Techniker und Ordner kaum in einem richtigen Verhältnis zur Vergütung des Künstlers.

Vergleich mit dem Urheberrecht

Im Urheberrecht gibt es ähnliche Konstellationen, die der Gesetzgeber erkannt hat:

Im Urheberrecht gibt es den Urheber. In der Musik ist dies bspw. der Komponist. Der Komponist, der die Melodie zu einem Musikstück komponiert, kann aber kein Geld verdienen, wenn die Komposition auf dem Schreibtisch herumliegt. Er braucht also andere Personen, um mit seiner Komposition Geld verdienen zu können:

  • Der Interpret, also der Musiker, der auf der Bühne steht und die Komposition vorträgt (§ 73 UrhG).
  • Der Tonträgerhersteller, der die Komposition bzw. Interpretation auf Platte bringt damit diese verkauft werden kann (§ 85 UrhG).
  • Der Veranstalter, der eine Veranstaltung organisiert, auf der der Musiker auf der Bühne stehen und die Komposition vortragen kann (§ 81 UrhG).
  • Der Veranstalter, der eine Veranstaltung organisiert, auf der die Platten des Tonträgerherstellers abgespielt werden können (§ 81 UrhG).

Diese Personen nennt der Gesetzgeber „Leistungsschutzberechtigte“: Das Urheberrecht stuft ihre Leistung als nicht ganz so wichtig wie die des Urhebers ein; ihre Leistungen (Interpretation, Platten herstellen, Veranstaltungen organisieren) sind aber wichtig für den Urheber, daher sollen ihre Leistungen auch geschützt werden.

Das Urheberrechtsgesetz räumt diesen Personen also auch Rechte ein, die sog. Leistungsschutzrechte. Diese ähneln den Rechten des Urhebers sehr, auch mit diesen Rechten können (und sollen nach dem Gesetz) die Leistungsschutzberechtigten Geld verdienen.

Der Veranstaltungstechniker und Ordner ist aber kein Leistungsschutzberechtigter. Das bedeutet nicht, dass er nicht wichtig sei; auch er ist erforderlich, dass letztlich der Urheber Geld verdienen kann. Allerdings hat der Gesetzgeber eben irgendwo eine Grenze ziehen müssen, und die hört bei den Personen auf, die die Komposition verwerten können (Musiker oder Veranstalter); der Techniker und der Ordner können die Komposition nicht „verwerten“.

Das Mindestlohngesetz wird kaum Besserung bringen, es gilt nur für Angestellte. Freelancer fallen nicht unter das Mindestlohngesetz. Es bleibt also vorerst der Branche überlassen, ein Preisgefüge zu schaffen, das angemessen ist und die Risiken des Berufs berücksichtigt.

Der sorgsame Auftraggeber wird sich aber vielleicht überlegen, ob ein Techniker, der seine Leistungen für wenige Euro für einen ganzen Tag anbietet, die erforderliche Leistung auch tatsächlich liefern kann. Ein Veranstalter ist immer mehr auf die professionelle Zuarbeit von externen Fachkräften angewiesen. Das praktische Problem ist aber: Das weiß nicht jeder Veranstalter, vielen ist das egal und es geht ihnen nur darum, billig zu produzieren.

Eine gewisse Ironie liegt in den Fällen, in denen ein Unternehmen sich selbst „schonungslose“ Compliance-Regeln auferlegt, dann aber bei externen Fachkräften spart.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: In den Compliance-Richtlinien des Unternehmens heißt es sinngemäß: „Die Beachtung des Arbeitszeitgesetzes hat Priorität“ und „Wir verpflichten uns, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, die ein menschenwürdiges und soziales Umfeld bieten und den Mitarbeitern viel Freiraum und Unabhängigkeit geben“. Dieses Unternehmen veranstaltet im großen Stil Kunden-Events. Dazu werden – auch in großem Stil – Freelancer gebucht, die 20 Stunden am Stück zu einem nicht sonderlich hohen Pauschalsatz arbeiten sollen, weil man sich sonst diese Events gar nicht leisten könne. Tatsächlich kam es aber nun zu einem Umdenken, es gibt nun eine Arbeitszeitobergrenze und trotzdem eine Erhöhung der Vergütung – weil man sich seiner Verantwortung bewusst geworden ist, die eben nicht beim eigenen Mitarbeiter und beim Arbeitsschutz aufhört.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Gezeichnete Glühbirne, Hand mit Bleistift: © Delux - Fotolia.com