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aus dem Eventrecht

Reiseveranstalter zahlt für Bahnverspätung

Von Thomas Waetke 29. Oktober 2010

Der Bundesgerichtshof hat einen Reiseveranstalter verurteilt, die Zusatzkosten für einen Reisenden zu erstatten, die dieser aufwenden musste, um nach einer verspäteten Zugankunft noch rechtzeitig in den Urlaub zu kommen.

Der Reisende hatte mit dem Reiseveranstalter einen Vertrag geschlossen. Dieser beinhaltete auch die Zugfahrt vom Wohnort des Reisenden zum Flughafen. Dazu erwarb der Reisende ein „Rail & Fly Ticket“ des Reiseveranstalters.

In der Werbung hieß es dazu:

Kein Stress und kein Stau mit dem ‚MEIER“S WELTREISEN Rail & Fly Ticket“. Bei jeder Flugbuchung aus diesem Katalog ist das ‚MEIER“S WELTREISEN Rail & Fly Ticket“ 2. Klasse der Deutschen Bahn AG zum Flughafen bereits im Preis enthalten! … Bitte wählen Sie Ihre Verbindung möglichst so, dass Sie den Abflughafen spätestens zwei Stunden vor Abflug erreichen…„.

Der Reisende wählte eine Zugverbindung, mit der er knapp über 2 Stunden vor Abflug am Flughafen hätte sein sollen. Tatsächlich verspätete sich aber der Zug um mehr als 2 Stunden. Der Reisende fuhr auf die Schnelle zu einem anderen Flughafen und von dort startete er dann mit einem anderen Flugzeug zu seinem Urlaubsziel.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Es kam hier maßgeblich zunächst auf den Vertragsinhalt an. Ausdrücklich als Vertragsinhalt waren vereinbart:

  • Die Flugreise (das war auch nicht das Problem), und
  • Der Fahrpreis mit der Bahn zum Flughafen.

Der Reiseveranstalter wollte sich mit dem Argument aus der Verantwortung ziehen, dass ja der Reisende für die Auswahl des Zuges verantwortlich sei und dies somit nicht im Reisepaket enthalten sei.

Der BGH hat dies anders gesehen: Da der Veranstalter die Bahnfahrt zu einem wesentlichen Teil seiner Werbung für die Reise erhoben hat, muss er sich diese Leistung wie eine eigene Leistung zurechnen lassen.

Hieran sieht man: Auch Aussagen in der Werbung können nachher herangezogen werden, wenn es darum geht, was eigentlich Vertragsinhalt geworden ist. Wer sich in der Werbung als Superman darstellt, muss sich nachher auch wie Superman behandeln lassen.