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aus dem Eventrecht

Veranstalter entschädigt nach (Ent-)Täuschung seine Besucher

Von Thomas Waetke 17. August 2011

Vor einigen Tagen trat die Muscialgruppe der Goetheschule in Wetzlar auf der Freilichtbühne in Augsburg auf. Allerdings wussten das die Besucher nicht, die bei Ticketpreisen von bis zu 48 Euro eigentlich davon ausgingen, professionelle Musicaldarsteller auf der Bühne erleben und genießen zu können.

Die Schülergruppe konnte aber diese Erwartungen nicht erfüllen, die Besucher reagierten entsprechend verärgert. Lediglich einem versteckten Hinweis auf der Veranstalterwebsite war zu entnehmen, dass es eine „Zusammenarbeit“ mit der Musicalgruppe der Wetzlarer Schule gebe.

Der Veranstalter hat auf die Beschwerden reagiert und bietet nach einem Bericht der Augsburger Allgemeinen den Zuschauern nun Tickets anderer Vorführungen zum Ausgleich an.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Die Besucher fühlten sich getäuscht, und sicherlich kann man hier über eine Täuschung auch im Rechtssinne nachdenken (siehe § 123 Abs. 1 BGB). Angesichts der Ticketpreise und im Vergleich mit anderen Vorführungen auf der Freilichtbühne durften die Zuschauer sicherlich von professionellen Darstellern ausgehen. Sofern nachweisbar wäre, dass die Schülergruppe tatsächlich weniger professionell agiert hat und es einen spürbaren Unterschied zu Profis gab, dann kann man von einer Täuschung ausgehen.

Sie müsste allerdings auch arglistig sein, was man hier sicherlich auch bejahen würde können: Immerhin gab es offenbar nur einen recht versteckten Hinweis in der Werbung, der wohl nicht ausreichend ist, damit die Besucher hätten erkennen können, worauf sie sich einlassen.

Diese Täuschung würde den Besucher zu Anfechtung des Vertrages berechtigen. Dann steht der Veranstalter finanziell sogar noch besser da, wenn er den Besuchern ein neues Ticket anbietet, da sicher nicht jeder das Angebot annimmt, dafür aber auf den Rückerstattungsanspruch verzichtet.

Fraglich wäre dann nur, ob er den Anspruch auf Rückerstattung des Eintrittsgeldes auch dann noch in voller Höhe hat, wenn er die Vorführung bis zum Ende angesehen hätte.