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USA: 6 Tote auf Privatparty

USA: 6 Tote auf Privatparty

Von Thomas Waetke 17. Juni 2015

Auf einer privaten Party in Berkeley (USA) sind am Dienstag nacht 6 Besucher ums Leben gekommen, als sie im 4. Stock auf dem Balkon des Gastgebers standen und der Balkon abbrach. Inwieweit könnte für derlei Unfälle auch der Gastgeber verantwortlich gemacht werden?

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Veranstalter von privaten Veranstaltungen (z.B. Geburtstagsfeier, Party usw.) übersehen oft, dass auch sie Veranstalterpflichten haben und für die Sicherheit ihrer Gäste grundsätzlich verantwortlich sind.

Zwei Beispiele:

Das Oberlandesgericht Oldenburg bspw. hatte einmal einen Privatveranstalter zu Schadenersatzzahlungen verurteilt, der in seiner Scheune eine Party feierte. Dabei ließ er eine Leiter angelehnt stehen, mit der man auf den durchbruchsgefährdeten Scheunenboden klettern konnte. Das machte ein Gast und stürzte von dort wieder ab.

Laden Eltern andere Kinder zu einem Kindergeburtstag ein, so liegt in der Einladung an die anderen Eltern das Angebot zur vertraglichen Übernahme der Aufsicht (nach § 832 BGB) durch die Eltern. Schicken also die anderen Eltern ihr Kind auf die Geburtstagsparty, dann bestehen (auch) vertragliche Aufsichtspflichten der Eltern für die fremden Kinder, hatte das Oberlandesgericht Celle entschieden.

Lädt ein Hauseigentümer Gäste in sein Haus, dann ist er wie jeder Gebäudeeigentümer für die Gebäudesicherheit verantwortlich (siehe § 836 BGB): Werden Dritte durch Gebäudeschäden verletzt, macht sich der Eigentümer schadenersatzpflichtig, solange er nicht beweisen kann, dass er die erforderliche Sorgfalt beachtet hat. So kann ein Eigentümer bzw. der Partyveranstalter auch dafür verantwortlich gemacht werden, wenn seine Gäste auf dem Balkon stehen und der Balkon abbricht.

Wenn aber, wie das wohl bei dem eingangs geschilderten Vorfall in den USA der Fall ist, sich mehrere Menschen auf den Balkon stellen, dann stellt sich die Frage, ob nicht die Gäste selbst hätten erkennen können, dass sich zu viele Menschen auf dem Balkon aufhalten und sie sich quasi selbst in Gefahr begeben. Wie so oft: Es kommt auf den Einzelfall an. Zumutbar wäre es für den Privatveranstalter sicherlich nicht, Drehkreuze mit Personenzählern und Security im Wohnzimmer zu positionieren, um Gedränge auf dem Balkon zu verhindern.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • zwei Rettungsdienst-Fahrzeuge (Symbolbild): © Otto Durst - Fotolia.com