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Urteil: Fahrten zum Vereinsturnier der Kinder sind reine Gefälligkeiten

Urteil: Fahrten zum Vereinsturnier der Kinder sind reine Gefälligkeiten

Von Thomas Waetke 31. Juli 2015

Wie schwer sich Gesetzgeber und Gerichte mit der Anerkennung und Würdigung ehrenamtlichen Engagements tun, verdeutlich ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofes. In dessen Konsequenz muss man sich als Elternteil gut überlegen, ob man dem Verein etwas Gutes tun möchte…

Was war passiert?

Die Oma hat ihre minderjährige Enkelin zu einem Fußballspiel gefahren. Die Enkelin ist Mitglied in einem Fußballverein, die Mädchen-Fußballmannschaft (frauschaft?) nahm an einem Hallenturnier teil. Dorthin wollte die Oma ihre Enkelin fahren, erlitt jedoch bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg dorthin schwere Verletzungen.

Die Oma wollte nun die Sportversicherung des Vereins in Anspruch nehmen. Diese lehnte aber ab: Nach den Versicherungsbedingungen würden nur Vereinsmitglieder und zur Durchführung versicherter Veranstaltungen „offiziell eingesetzte“ Helfer Versicherungsschutz genießen, so die Versicherung.

Der Bundesgerichtshof wies die Klage der Oma nun endgültig ab: Sie habe die Enkelin gefälligkeitshalber (und nicht im Rahmen eines Auftrages) zum Turnier gefahren, und daher würde es kein Rechtsverhältnis zwischen ihr und dem Verein geben.

Die Argumente des Bundesgerichtshofs:

Die Oma hat die Enkelin im Interesse der sorgeberechtigten Eltern bzw. der Enkelin zu dem Turnier gefahren. Daher handele es sich um eine reine Gefälligkeit. Dass auch der Verein ein Interesse daran habe, dass die Fußballspielerinnen zum Turnier gebracht werden, um daran teilnehmen zu können, ändert nach Auffassung des Bundesgerichtshofes nichts: Es war in dem Verein bisher üblich, dass die Eltern ihre Kinder zu den Turnieren fahren würden, die Eltern hätten sich untereinander immer selbst organisiert.

„Dieser übliche Ablauf spricht entscheidend dagegen, den auf freiwilliger Grundlage erfolgten Transport der Kinder zu Auswärtsspielen durch Personen aus ihrem persönlichen Umfeld als auf der Grundlage eines mit wechselseitigen Rechten und Pflichten ausgestalteten Schuldverhältnisses erbracht anzusehen“, so die Bundesrichter.

Solange es zwischen den Eltern und dem Verein keine gegenteiligen Absprachen gegeben hätte, gibt es also kein Rechtsverhältnis, aus dem bei einem Unfall Ansprüche gegen die Versicherung des Vereins hergeleitet werden könnten.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Eine Versicherung zu haben, bedeutet nicht automatisch, immer versichert zu sein!

Ein Vereinsvorstand sollte im Interesse seiner Mitglieder prüfen, ob alle Aktivitäten durch Versicherungen abgedeckt sind. Man denke hier als Beispiel an Unfälle wie oben geschildert; hier treten oft Ärgernisse hinzu wie das beschädigte Fahrzeug: Der freiwillige Helfer bleibt oft auch auf seinem Fahrzeugschaden sitzen bzw. zahlt die Hochstufung seiner Kaskoprämien selbst.

Es ist daher ratsam, mithilfe der Versicherung und/oder Versicherungsexperten die vorhandenen Verträge zu durchleuchten und zu prüfen, ob ggf. weitere Versicherungen sinnvoll sind – oder auch (oftmals einfache) Änderungen im Vereinsablauf, damit die Aktivitäten doch noch unter den Versicherungsschutz fallen.

Mein Tipp:

Im Gespräch mit Ihrem Versicherer oder Versicherungsmakler sollten Sie nicht mit Fachbegriffen arbeiten: Beschreiben Sie vielmehr Ihr Vorhaben und bitten nun um Vorschläge für einen geeigneten Versicherungsschutz. Das gilt übrigens gegenüber allen Fachleuten: Sie zwingen den Fachmann damit grundsätzlich in eine Aufklärungspflicht.

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Hier finden Sie eine kleine Aufstellung spezialisierter Eventversicherungsmakler, natürlich finden Sie im Internet noch viele weitere.

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