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aus dem Eventrecht
Unzulässige Doppelprovision?

Unzulässige Doppelprovision?

Von Thomas Waetke 18. Dezember 2010

Ein Veranstalter beauftragt eine Eventagentur mit der Organisation der Veranstaltung. Die Agentur holt dazu Angebote bei den verschiedenen Dienstleistern ein und erhält dafür eine Umsatzprovision. Oftmals aber holt sich die Agentur auch von dem später beauftragten Dienstleister auch noch mal eine Provision. Ist das zulässig?

Tatsache ist, dass die Agentur umso mehr Geld verdient, desto höher der Umsatz ist. Insoweit sollte der Veranstalter ein Interesse daran haben, zu verhindern, dass die Agentur nicht erforderliche oder überteuerte Leistungen einkauft, nur um die Umsatzprovision hochzuschrauben. Ungeachtet dessen steigt die Umsatzprovision aber, da ja die einzelne Dienstleistung teurer ist, da dort auch wiederum die Provision der Agentur beinhaltet ist.

Zu unterscheiden ist die Rechtsstellung der Agentur:

  1. Die Agentur kann als Stellvertreter des Veranstalters auftreten und für diesen Verträge abschließen. Sie wird dann nicht Vertragspartner der Dienstleister.
  2. Im anderen Fall gibt es zwei Vertragsverhältnisse: Das eine zwischen Veranstalter und Agentur, das andere zwischen Agentur und den Dienstleistern. Hier beauftragt also die Agentur die Dienstleister im eigenen Namen, um den Vertrag mit dem Veranstalter erfüllen zu können.

Vertragliche Absprachen

Letztlich wird es aber immer von den vertraglichen Vereinbarungen abhängen: Was hat die Agentur mit dem Veranstalter bzgl. der Vergütung bzw. Kosten vereinbart? Wie sehr ist der Veranstalter von der Agentur abhängig? Wie hoch ist das vertraglich hergestellte Vertrauen des Veranstalters in die Agentur? Was darf der Veranstalter von der Agentur erwarten?

Im Regelfall weiß der Veranstalter nicht, dass die Agentur auch beim Dienstleister noch einmal eine Provision abrechnet und dadurch die Umsatzprovision höher ausfällt.

Ein Problem ergibt sich aus daraus, dass die Agentur eigentlich auf Seiten des Veranstalters stehen sollte. Wenn sie aber provisionsabhängig (auch) vom Dienstleister ist, hat das zwangsläufig Einfluss auf das Vertrauens- und Beratungsverhältnis zum Veranstalter. Die Agentur, die im Auftrag des Veranstalters die Veranstaltung organisiert, hat auch so genannte Nebenpflichten zu erfüllen. Zu solchen Nebenpflichten gehören auch Fürsorgepflichten und Rücksichtnahmepflichten. Diese beinhalten auch die Pflicht, nicht hinter dem Rücken des Auftraggebers auch noch Verträge mit den Dienstleistern einzugehen und von dort Provisionen zu kassieren.

Sofern die Agentur also bspw. in ihren AGB nicht auf die Doppelprovision hinweist oder die Agentur lediglich fremde Dienstleister vorschlägt, aber darüber hinaus keine weitere Vermittlungstätigkeit entfaltet (z.B. an den Vertragsverhandlungen teilnimmt), wäre die Doppelprovision zulässig.

  • Unzulässig wäre demnach wohl immer die Doppelprovision in dem Fall (siehe oben Ziffer 1.), in dem die Agentur als Stellvertreter des Veranstalters tätig wird. Immerhin hat die Agentur offiziell einen Vertrag mit dem Veranstalter – und dann quasi noch hinter dessen Rücken weitere vertragliche Absprachen mit den Dienstleistern bzgl. der Provisionszahlung.
  • Ansonsten wird man die Frage nicht pauschal beantworten können, jedenfalls bewegt sich die Agentur auf sehr unsicherem Boden, wenn sie den Veranstalter nicht aufklärt bzw. mehr als nur vorschlagend tätig wird.

Fixe Vergütung

Anders sieht es aus, wenn die Agentur mit dem Veranstalter keine Umsatzprovision vereinbart, sondern eine fixe Vergütung. Dennoch kommt auch hier die Agentur in eine Situation, in der sie den Vertragspartner Veranstalter nicht mehr ganz objektiv beraten kann, da sie ja ein Interesse daran hat, den Dienstleister zu empfehlen, der ihr die höchste Provision verspricht. Sofern die Agentur die Provisionszahlungen nicht offenlegt, dürfte auch dies unzulässig sein.

Wettbewerbsrecht

Zuletzt kann die Doppelprovision auch wettbewerbsrechtlich unzulässig sein: Immerhin kann die Agentur ihre eigenen Kosten geringer ansetzen und damit dem Veranstalter gegenüber mit geringeren Kosten werben, da sie weitere Einnahmen durch verheimlichte Provisionsabsprachen mit Dienstleistern erzielt. Eine konkurrierende Agentur, die ausschließlich Provisionen bzw. Geld vom Veranstalter erhält, hätte hier also einen Wettbewerbsnachteil.

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  • Geldscheine in die Hand legen: © zest_marina - Fotolia.com