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aus dem Eventrecht

Unwetter: Todesfall bei Openair-Abbau

Von Thomas Waetke 11. Juli 2012

Der Abbau des Openair Frauenfeld (Schweiz) wurde am Dienstag von einem heftigen Unwetter heimgesucht. Mehrere Abbauhelfer suchten zum Schutz vor schwerem Hagel ein Zelt auf. Ein Reporter wird mit den Worten zitiert, man habe bei dem Unwetter „die Hand vor den Augen nicht gesehen“.

Das Zelt, in dem die Helfer sich unterstellten, brach zusammen, eine 24-jährige Abbauhelferin und ein 21-jähriger Abbauhelfer wurden von umherfliegenden Zeltteilen schwer verletzt; die Frau starb in der Nacht auf heute im Krankenhaus. Die anderen Abbauhelfer wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Das Unwetter zerlegte mehrere Zelte, Festzelte und Bühnengerüste.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ein Arbeitgeber muss nach einem solch schrecklichen Unfall dafür Sorge tragen, dass andere Arbeitnehmer betreut und ggf. ausgecheckt werden. Erleidet ein Arbeitnehmer bspw. einen Schock, weil er das Unglück mit hatte ansehen müssen und muss dann normal weiterarbeiten und kommt es dann zu einem Unfall dieses Mitarbeiters, dann kann man dem Arbeitgeber den Vorwurf machen, dass er seinen arbeitsschutzrechtlichen Aufgaben nicht nachgekommen ist: Im Zweifel muss er seinen Mitarbeiter auschecken und ggf. in einem Hotel unterbringen. Das Mindeste ist, dem Arbeitnehmer ohne Konsequenzen freizustellen, ob er nach Hause oder weiter arbeiten möchte.

Der Arbeitgeber muss außerdem daran denken, Arbeitsunfälle spätestens binnen drei Tagen der Unfallversicherung zu melden. Das sollte der Arbeitgeber auch dann machen, wenn er sich nicht sicher ist, ob der Unfall ein Arbeitsunfall ist oder nicht. Bei Auslandsunfällen für einen deutschen Arbeitgeber gibt es eine Notfall-Hotline bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft, die 24 Stunden besetzt ist: +49 (0) 89 7676 2900.

Übrigens: Wäre der Arbeitnehmer nicht ordnungsgemäß gemeldet, hat er trotzdem einen Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung. Allerdings wird die Unfallkasse sich den Schaden beim Arbeitgeber wieder holen, der „vergessen“ hat, seinen Mitarbeiter anzumelden.

Bei allen Überlegungen über die Besuchersicherheit darf die Arbeitssicherheit nicht vergessen werden: Im Rahmen des Arbeitsschutzes muss der Arbeitgeber auch beim Auf- und Abbau für Sicherheit seiner Mitarbeiter sorgen. Gerade bei Schlechtwetterlagen gehört bei Open Air-Veranstaltungen auch die Wetterbeobachtung dazu, um die Mitarbeiter ggf. schnellstmöglich vom freien Gelände zu evakuieren.