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aus dem Eventrecht

Unglück auf Cran Canaria: Stelzenläufer fängt Feuer

Von Thomas Waetke 31. Oktober 2011

Beim traditionellen Fest „Suelta del Perro Maldito“ auf Cran Canaria kam es in Valsequillo Ende September zu einem schrecklichen Unfall: Um Mitternacht wurden alle künstlichen Lichtquellen ausgeschaltet, um den Effekt der Feuershow zu verstärken. Wenig später hatt ein Feuerspucker versehentlich das Kostüm eines Stelzenläufers in Brand gesteckt.

Der Stelzenläufer fiel um und stürzte in die dicht gedrängt stehende Besuchermenge. 33 Personen erlitten schwerste Brandverletzungen, eine Zuschauerin erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Offenbar konnte nur mit viel Glück eine Panik verhindert werden. Außerdem sollen nach Augenzeugenberichten keine Feuerwehrleute in der Nähe gewesen sein.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wer bei einer Veranstaltung Feuer oder Feuerwerk einsetzt, den treffen erheblich gesteigerte Verkehrssicherungspflichten, sowohl zum Schutz der Besucher als auch zum Schutz der Mitwirkenden.

Im Rahmen der Versammlungsstättenverordnung ist eine Brandsicherheitswache erforderlich, wenn die Veranstaltung „erhöhte Brandgefahren“ aufweist (§ 41 Abs. 1 MVStättV). Sie ist durch den Betreiber zu stellen – der Betreiber (oftmals der Vermieter) muss also vom Veranstalter informiert werden, dass der ggf. Pyrotechnik o.Ä. einsetzen möchte. Daher sollte der Betreiber/Vermieter im Mietvertrag regeln, dass der Veranstalter bspw. 4 Wochen vor Veranstaltungsbeginn eine detaillierte Beschreibung seiner Veranstaltung einreicht.

Zwar mögen Kerzen zur Dekoration auf Tischen erlaubt sein (siehe § 35 Abs. 3 MVStättV), dennoch hat jedenfalls der Veranstalter auch hier eine gesteigerte Verkehrssicherungspflicht (mit Blick auf die Bereitstellung von weiteren Feuerlöschern, geschultem Personal, Auswahl der Tischdecken oder Kerzenhalter usw.).

Dementsprechend findet sich in der sächsischen VStättVO folgende Zusatzregelung (durch Fettdruck hervorgehoben):

„Die Verwendung von Kerzen und ähnlichen Lichtquellen als Tischdekoration mit geeigneter Unterlage und Befestigung sowie die Verwendung von offenem Feuer zur Zubereitung von Speisen ist zulässig.“

Diese Regelung richtet sich an den Betreiber, damit treffen in Sachsen den Betreiber (etwas) höhere Anforderungen als in den anderen Bundesländern. Ungeachtet dessen ist auch der Veranstalter im Rahmen der viel weiter gehenden Verkehrssicherungspflichten gehalten, für geeignete Unterlagen und Befestigungen der Kerzen zu sorgen.

Vgl. dazu auch § 28 Abs. 3 BGV C1.