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Unfall mit Kindern: Ausdruck des Spieltriebs?

Unfall mit Kindern: Ausdruck des Spieltriebs?

Von Thomas Waetke 30. Juni 2016

In einem Schwimmbad rutschten mehrere Kinder die Wasserrutsche hinunter. Unterwegs stoppten die Kinder, so wie sie es auch schon öfter getan hatten, um dadurch einen „Stau“ zu verursachen. Als die Kinder die Fahrt wieder fortsetzten, rutschte ein Kind bis zum Ende der Rutsche mit dem Kopf voraus. Bei der Landung im Wasser schlug er mit dem Gesicht auf dem Beckenboden auf und brach sich dabei die beiden mittleren oberen Schneidezähne ab. Das Kind behauptete, ein anderes Kind (9 Jahre alt) habe ihn gegen seinen Willen an den Füßen erst festgehalten und am Ende der Rutsche habe sie ihm zusätzlich noch einen Schubs von hinten gegeben.

Daher kam es zu einer Klage vor dem Landgericht Hannover auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das Landgericht wies die Klage nun ab mit der Begründung, dass das beklagte Kind kein Verschulden treffe: Das Verursachen eines „Staus“ während einer Rutschfahrt ins Wasser und das anschließende gemeinsame Weiterrutschen seien Ausdruck des Spieltriebs von Kindern, sowie ihres Erkundungs- und Forschungsdrangs. Selbst ein zusätzlicher Schubs am Ende der Rutsche zeige lediglich, dass es beim Spielen und Toben auch zu unüberlegten und schädigenden Handlungen kommen könne, was aber für ein neunjähriges Kind unvermeidbar sei. Außerdem ließen sich Kinder gerne von der Dynamik des Spiels in der Gruppe mitreißen, könnten aber wegen ihres geringen Alters mögliche Folgen ihres Handelns nicht absehen.

Auf Veranstaltungen kommen oft auch Kinder zu Besuch. Im Rahmen seiner Verkehrssicherung muss der Veranstalter entsprechende Maßnahmen treffen, um auch Kinder vor Gefahren zu schützen. Diese Maßnahmen sind natürlich anders ausgeprägt als Maßnahmen zum Schutz von Erwachsenen.

Wenn Eltern und Kinder eingeladen werden, kann es folgende Konstellationen geben:

  • Die Eltern werden animiert, ihre Kinder in einem Spielebereich alleine zu lassen und bei der sonstigen Veranstaltung mitzumachen. Die Kinder sind also alleine, nun übernimmt grundsätzlich auch der Veranstalter die Verantwortung für die Kinder; gerade, wenn die Eltern konzeptionell absichtlich abgelenkt werden.
  • Eltern und Kinder bleiben zusammen, es gibt keine besonderen Angebote für Kinder, sie alleine in einem Spielebereich zu lassen. Hier ist der Veranstalter nicht frei von Verantwortung: Er muss die Veranstaltung immer noch so organisieren, dass dem durchschnittlich aufmerksamen Kind nichts passieren kann. Auf der anderen Seite tragen auch die Eltern ihre normale Mitverantwortung, d.h. sie dürfen ihr Kind nicht gänzlich unbeobachtet herumtollen lassen.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Kleiner Bub weint: © chalabala - Fotolia.com