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aus dem Eventrecht

Unfall mit Feuerspucker bei RTL-Aufzeichnung

Von Thomas Waetke 14. Juni 2013

Bei der Aufzeichnung für die RTL-Sendung „Chart-Show“ wurde eine 59-jährige Zuschauerin an den Händen leicht verletzt, als ein Feuer-Künstler offenbar zu viel Brennmittel beim Feuerspucken einsetzte und dabei das Sitzkisten der Frau in Brand setzte. Der Moderator Oliver Geissen eilte der Zuschauerin zu Hilfe und klopfte das Feuer aus.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Feuerspucken ist nicht nur für den Artisten selbst gefährlich, sondern auch für umstehende Personen, zudem können. Dekoration oder Baustoffen in Brand gesetzt werden.

Grundsätzlich ist der Einsatz von Feuer auf einer Szenenfläche (wie im Fernsehstudio) verboten (§ 35 Abs. 2 MVStättV). Ausnahmsweise ist der Einsatz erlaubt, wenn

  1. die Verwendung „in der Art der Veranstaltung begründet“ ist, und
  2. der Veranstalter die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen mit der Feuerwehr abgestimmt hat.

Vorführungen mit einem Feuerspucker, der als Showact auftritt, sind „in der Art der Veranstaltung begründet“. Mit Blick auf die Brandschutzmaßnahmen ist fraglich, warum der Moderator die Flammen an der Zuschauerin austritt – oder war das die Brandschutzmaßnahme…? (sie hat ja immerhin funktioniert)

Weitere Regelungen konkret zum Feuerspucken finden sich in der BGI 810 Teil 5 unter Ziffer 3.6.:

  • Als Brandmittel werden beim Feuerspucken spezielle Flüssigkeiten verwendet, die beim Verschlucken zu keinen bleibenden Schäden führen, aber dennoch gesundheitlich nicht unbedenklich sind. In einigen Fällen wird auch Lycopodium durch kleine Wirbelkammern geblasen.
  • Gefahren für den Darsteller gehen von dem Inhalieren oder Verschlucken des Brennstoffes sowie von der Rutschgefahr durch Ablagerungen auf dem Boden aus. Durch Brennstoffrückstände an der Kleidung, auf dem Boden und an Dekorationen entsteht eine erhöhte Brandgefahr.
  • Feuerspucken gilt als artistische Darstellung. Die Artisten selbst sind für den gefahrlosen Umgang mit den speziellen Feuerspuckflüssigkeiten verantwortlich. Es dürfen nur Feuerspuckflüssigkeiten eingesetzt werden, die vom Hersteller hierfür bestimmt sind. Entsprechende Sicherheitsdatenblätter werden bereitgehalten. Durch die Feuerspuckeffekte dürfen andere nicht gefährdet werden.
  • Für den Effekt ist ein ausreichender Abstand zu Personen und zu brennbaren Gegenständen zu wählen. Innerhalb dieses Sicherheitsbereiches muss der Boden fugenfrei und schwer entflammbar sein nach DIN 4102-1.

Es wäre nun zu prüfen, ob der Sicherheitsabstand zum Publikum ausreichend war und wie es dazu kommen konnte, dass sich der (offenbar nicht unerfahrene) Künstler derart mit der Menge des Brennmittels verschätzt.