News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Und weg war er: “I think I lost my singer”

Von Thomas Waetke 17. August 2012

Bei einem Konzert der britischen Band Placebo auf dem Frequency-Festival in St. Pölten (Österreich) am Donnerstag abend verschwand Frontmann Brian Molko nach dem ersten Song wortlos von der Bühne, auch seine Bandkollegen waren überrascht. „I think I lost my singer“, sprach der Gittarist und machte sich auf die Suche nach dem verlorenen Sänger.

Das Konzert wurde dann auch ganz abgebrochen, nachdem sich herausstellte, dass der Sänger wegen Krankheit nicht weiterspielen konnte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Krankheit kann passieren, ist aber dennoch der GAU für jeden Veranstalter.

Der Besucher kann grundsätzlich sein bereits bezahltes Eintrittsgeld zurückverlangen, da ja der Veranstalter seine vertragliche Leistung „Konzert“ nicht erbracht hat.

Anders ist das nur, wenn die Band schon den Großteil des Konzerts gespielt hat, bzw. wie hier auf einem Festival, wenn nur ein kleiner Teil des Festivals ausfällt. Dann kann der Besucher je nach Einzelfall gar nichts oder nur einen Teil zurückfordern.

Ob der Veranstalter, der die Eintrittsgelder zurückzahlen muss, einen Anspruch gegen den Künstler hat, hängt davon ab, ob der Künstler den krankheitsbedingten Ausfall fahrlässig oder vorsätzlich verursacht hat. Dann würde er sich gegenüber dem Veranstalter schadenersatzpflichtig machen. Wenn nein, dann bliebe der Veranstalter auf den Kosten sitzen; hier würde ihm eine (zuvor abgeschlossene) Ausfallversicherung helfen.

Ob der Künstler seine Gage verlangen kann, hängt vornehmlich von der vertraglichen Gestaltung des Auftrittsvertrages ab. Verbreitet ist an sich die Regelung, dass der Künstler nur seine Gage erhält, wenn er auch tatsächlich auf der Bühne steht (bzw. stehen bleibt).