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aus dem Eventrecht

Umkleidezeit gleich Arbeitszeit?

Von Thomas Waetke 16. August 2011

Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim zur Arbeitszeit bei Umkleiden von Polizeibeamten tauchte auch bei uns öfter die Frage auf, ob das Umziehen vor und nach der Arbeit zur Arbeitszeit gehöre.

Vorweg: Das vorbenannte Urteil des VGH kann nicht ohne Weiteres auf die Eventbranche übertragen werden. Vor dem VGH ging es um beamtenrechtliche Fragestellungen. Der VGH hatte das Umkleiden nicht als Arbeitszeit gewertet, dagegen aber das Anlegen von Schutzweste und Waffe.

Mit Blick auf nicht beamtenrechtliche Arbeitsverhältnisse hat das Bundesarbeitsgericht bereits in der Vergangenheit entschieden:

Wenn der Arbeitgeber es vorschreibt, dass der Arbeitnehmer auffällige Kleidung zu tragen habe, die er nicht ohne weiteres im normalen Alltag tragen würde und die mit ihren Farben auf das Unternehmen hinweise, handele es sich beim Umkleiden um Arbeitszeit (im konkreten Beispiel ging es um IKEA). Maßgeblich ist also, ob das Tragen der vorgeschriebenen Kleidung ausschließlich im Interesse des Arbeitgebers liegt.

Je auffälliger die Kleidung, die der Arbeitnehmer tragen muss (!), desto eher handelt es sich beim Umkleiden um Arbeitszeit. Daran ändert sich auch nichts, wenn das Umkleiden schnell geht und nur wenige Minuten in Anspruch nimmt (auf das Jahr hochgerechnet läppert sich das). Wer also bspw. im Freizeitpark in das Kostüm einer übergroßen Comic-Figur schlüpfen muss, der macht das während seiner Arbeitszeit.

Gleiches gilt grundsätzlich auch für das Anlegen von Schutzkleidung bzw. PSA, auch dies ist also Arbeitszeit.

 Achtung  Hier besprochen ist die Frage, ob das Umkleiden zur Arbeitszeit gehört. Nicht geklärt ist damit automatisch die Frage, ob diese Arbeitszeit vom Arbeitgeber auch bezahlt werden muss. In den meisten Fällen wird das in der Praxis sicherlich einfach so gehandhabt (siehe dazu auch § 612 BGB), dennoch bedeutet Arbeitszeit nicht automatisch gleich auch bezahlte Arbeitszeit.