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aus dem Eventrecht

Tour abgesagt

Von Thomas Waetke 9. November 2010

Bushido musste wegen einer dringenden Bandscheiben-Operation seine Tour absagen, die am 25.11. hätte beginnen sollen. Die Operation sei unaufschiebbar, um gesundheitliche Folgeschäden zu vermeiden. Der Veranstalter teilte mit, dass die bereits gekauften Eintrittskarten ihre Gültigkeit behalten würden, die Tour starte nun am 23.04.2011.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wie sieht die Sache rechtlich aus?

1. Besucher verlangt Eintrittsgeld zurück

Wenn ein Zuschauer, der bereits ein Ticket gekauft hat, den neuen Termin nicht wahrnehmen möchte oder kann, so kann er vom Veranstalter das Eintrittsgeld wieder zurückverlangen. Rechtlich sieht das Ganze so aus:

  • Besucher und Veranstalter haben einen Vertrag geschlossen. Veranstalter hat sich zur Leistung „Auftritt von Bushido am xx.xx.2010 in zz“ verpflichtet, der Besucher zur Zahlung des Eintrittspreises.
  • Der Veranstalter kann nun seine Leistung nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erbringen, sie ist ihm unmöglich. Das Gesetz sagt dann: Wenn eine Leistung unmöglich ist, muss sie auch nicht mehr erbracht werden (ist ja auch logisch), siehe § 275 Abs. 1 BGB.
  • Der Besucher wiederum muss dann aber im Gegenzug auch seine vertragliche Leistung nicht mehr erbringen (siehe § 326 Abs. 1 BGB) – anders wäre es nur, wenn der Besucher die Unmöglichkeit der Leistung des Veranstalters verursacht hätte (bspw. wenn der Besucher den Künstler verletzt hätte).
  • Da der Besucher aber typischerweise das Eintrittsgeld schon bezahlt hat, kann er dieses nun zurückfordern (§ 812 BGB).

Denkbar wäre auch, dass der Besucher ein gesetzliches Rücktrittsrecht hätte (siehe § 323 BGB): Wenn eine Leistung trotz Fristsetzung nicht oder nicht rechtzeitig erbracht wird, kann der Vertragspartner vom Vertrag zurücktreten. Die Frist muss nicht gesetzt werden, wenn sie bspw. wegen Aussichtslosigkeit sowieso erfolglos wäre. Dies könnte hier ja der Fall sein: Der Veranstalter kann das Konzert nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erbringen, daran ändern auch Fristsetzungen nichts. Die Folge des Rücktritts ist auch die Rückerstattung des Eintrittspreises ( § 346 BGB).

Das Ergebnis ist zwar das Gleiche, aber rechtlich löst man das Problem nicht über den Rücktritt, sondern über die Unmöglichkeit, wenn die vertragliche Leistung ein so genanntes Fixgeschäft ist (wie hier): Die Leistung ist zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erbringen – der Besucher will dann die Show sehen, und nicht 7 Tage später, wenn er etwas anderes vorhat.

2. AGB des Veranstalters 

Manche Veranstalter versuchen, den Besucher davon abzuhalten, indem sie in den AGB folgende Klausel haben:

„Der Veranstalter ist berechtigt, bei Krankheit des Künstlers die Veranstaltung zu verschieben und dem Besucher einen anderen Termin zu gleichen Konditionen anzubieten.“

Das ist zwar ok, denn der Besucher kann einvernehmlich natürlich den bereits geschlossenen Vertrag auf einen neuen Konzerttermin umstellen. Will er dies aber nicht, kann er das Geld zurückfordern. Der Veranstalter kann nicht mittels AGB verhindern, dass der Besucher sein Eintrittsgeld zurückverlangt.

Könnte der Veranstalter das Programm ändern und einen anderen Künstler auftreten lassen?

Manche Veranstalter schreiben in ihre AGB: „Der Veranstalter ist berechtigt, aus wichtigem Grund das Programm zu ändern“. Eine Programmänderung muss der Besucher nur hinnehmen, wenn sie unwesentlich ist: Wird also in einem Chor oder Orchester ein unbedeutender Sänger/Spieler ausgewechselt, muss der Besucher damit leben. Wenn aber ein wesentlicher Künstler (der Frontmann bspw.) ausgetauscht werden soll, dann muss er das nicht mehr hinnehmen. Das ist das gleiche Prinzip wie bei Verspätungen des Konzertbeginns: Wegen ein paar Minuten Verzögerung kann der Besucher nichts machen. Beginnt das Konzert aber erst Stunden später, kann er vom Vertrag zurücktreten (siehe unsere News vom 06.04.2010).

3. Kann der Hallen-Vermieter seine Miete verlangen?

Ja. Der Veranstalter muss die Miete bezahlen, auch wenn er die Halle nicht nutzt: Die Hallennutzung ist ja nicht unmöglich, am Mietvertrag ändert sich also nichts, nur weil der Veranstalter das Konzert absagen muss.

Kann der Vermieter die Halle anderweitig vermieten, dann muss er sich diese Mieteinnahmen allerdings anrechnen lassen.

Die nutzlos aufgewendeten Mietkosten würde eine im Voraus abgeschlossene Ausfallversicherung übernehmen.

4. Schadenersatz des Veranstalters gegen den Künstler

Der (gebeutelte) Veranstalter kann vom erkrankten Künstler nur Schadenersatz verlangen, wenn der Künstler verschuldet ausgefallen ist (siehe § 280 Abs. 1 BGB). Ansonsten hat der Veranstalter eben Pech: Er muss die Eintrittsgelder zurückzahlen, bleibt auf seinem Schaden sitzen – hiergegen kann er sich nur mit einer Ausfallversicherung absichern.