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aus dem Eventrecht

Tödlicher Stromschlag durch Lampions

Von Thomas Waetke 18. September 2010

Bereits Mitte August ist ein Besucher einer Diskothek in der Nähe von Rastatt (Baden-Württemberg) durch einen Stromschlag an einer Lichterkette getötet worden. Ein technisches Gutachten hat nun ergeben, dass einerseits das Opfer gesund und nicht unter Drogeneinfluss stand, und andererseits die Lichterkette deutliche technische Mängel aufgewiesen hatte.

Die Lichterkette war nach Informationen des Badischen Tagblatts im Außenbereich der Diskothek aufgehängt und für diesen laut Gutachten ungeeignet; hinzu kam, dass es in dieser Nacht geregnet hatte. Die an der Lichterkette angebrachten Lampions weichten auf und ein stromführender Draht hing zum Boden runter, mit der Besucher in Kontakt kam und den tödlichen Stromschlag erhielt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Betreiberin der Diskothek wegen fahrlässiger Tötung.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Der Tod des Besuchers kann zwei verschiedene Konsequenzen haben: Einmal im Bereich Strafrecht; dort ermittelt die Staatsanwalzschaft wegen fahrlässiger Tötung. Die Fahrlässigkeit im Strafrecht ist nicht identisch mit der Fahrlässigkeit im Zivilrecht: Während es im Zivilrecht (Schadenersatz und Schmerzensgeld) darum geht, ob der Handelnde die objektiv erforderliche Sorgfalt nicht beachtet hat, wird im Strafrecht nur nach der subjektiven Seite gefragt: Hatte konkret dieser Täter voraussehen und vermeiden können, dass der Unfall passiert? Daher kann es durchaus sein, dass ein strafrechtlich Angeklagter freigesprochen wird, er dann aber im Zivilrecht dennoch Schadenersatz zahlen muss. Im Zivilrecht könnten die Angehörigen des Verstorbenen Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen. Bei der zivilrechtlichen Fahrlässigkeit (siehe § 276 Absatz 2 BGB) prüft der Richter, was der durchschnittliche, normal sorgfältig arbeitende Betreiber getan hätte. Dabei wird auf branchenübliche Nachlässigkeit übrigens grundsätzlich keine Rücksicht genommen.

Neben dem Verschulden (der Schadenersatzpflichtige muss also vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt haben) müsste insbesondere noch geprüft werden, ob die unsachgemäßge Handhabung der Lichterkette ursächlich für den Tod des Besuchers war (so genannte Kausalität).