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aus dem Eventrecht

Todeszahl in Duisburg steigt auf 18

Von Thomas Waetke 24. Juli 2010

Die Polizei meldet zwischenzeitlich das 18. Todesopfer durch das Unglück auf der Loveparade in Duisburg (siehe News). Die Einsatzkräfte bezeichnen den Zustand mancher schwer Verletzten als noch kritisch, so dass durchaus noch weitere Todesopfer zu befürchten sind.

Ausgelöst worden ist die Massenpanik nach Angaben der Polizei durch Stürze von einer gesperrten Treppe. Weil sich im Tunnel und im Eingangsbereich vor dem Gelände die Massen stauten, hätten Besucher versucht, über die gesperrte schmale Nottreppe zum Gelände hochzusteigen. Andere seien über ein Lautsprechergerüst nach oben geklettert. Einige der Kletterer seien dann auf die Massen abgestürzt, was dann zu der Panik geführt habe. UPDATE: Gerichtsmedizinische Untersuchen haben ergeben, dass die Toten zerquetscht wurden, Hinweise auf einen Absturz gibt es hingegen nicht (siehe unsere News hier).

Über Twitter, Facebook und andere Internetdienste sind mittlerweile viele Videos zu finden, die um das Unglück herum aufgenommen wurden. Immer weiter mehren sich auch Vorwürfe gegen die Polizei und den Veranstalter. Der Tunnel, in dem es zu der Massenpanik kam, war schon vor der Loveparade als gefährliches Nadelöhr kritisiert worden. Die Parade hätte eigentlich in Bochum stattfinden sollen; die Stadt Bochum hatte sich aber gegen die Durchführung entschieden, da ihrer Ansicht nach die Stadt und der Bahnhof zu klein wären. Auch in Duisburg soll es anfangs Streit darüber gegeben haben, ob die Stadt dem erwarteten Ansturm der Raver gewachsen sei. Selbst mit mehr als einer Million Besuchern sei die Love Parade in Duisburg „durchführbar“, sagte der Zuständige für Sicherheit und Ordnung in Duisburg, Wolfgang Rabe im WDR-Interview. Obwohl das Party-Gelände nur 230.000 Quadratmeter groß ist – nur 400.000 bis 500.000 Menschen könnten hier gleichzeitig feiern, sagten Kritiker vorher.

Mehrere Augenzeugen erklärten, dass das Umfeld und die Partylocation völlig überfüllt gewesen sei.

Die Duisburger Polizei bezeichnete die Zustände direkt nach dem Unglück als „chaotisch“. Auch die Politik zeigt sich tief bestürzt, Bundespräsident Wulff forderte eine rückhaltlose Aufklärung.

Der Erfinder der Love-Parade, Dr. Motte, hat den Veranstalter die Schuld gegeben: „Die haben einen krassen Management-Fehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal“, sagte der DJ dem Berliner Kurier. Für ihn sei die Frage nach der Verantwortung klar. „Die Veranstalter sind schuld!“ Sie hätten aus „reiner Profitgier“ gehandelt. „Die haben doch gewusst, dass es voll wird. Was also haben Zäune und Security da zu suchen? Bei nur einem Zugang.“ Die Katastrophe sei „einfach schrecklich“, sagte der Techno-Guru. „Mein Mitgefühl gilt den Familien der Toten und den Verletzten.“

Anderen Angaben zufolge hat es aber zumindest noch weitere Zugänge auf das Gelände gegeben.

Aufgrund der Todesfälle wird nun die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnehmen. Es wird nun in Ruhe und sorgfältig zu prüfen sein, wer tatsächlich für die Todesfälle und die Körperverletzungen verantwortlich ist. Es dürfte dabei u.a. zu klären sein, wie viele Zugänge es tatsächlich gegeben hat und warum unbegrenzt Menschen Zugang in den Tunnel hatten, der schon zuvor als Nadelöhr identifiziert wurde.

Es mag derzeit viele Vermutungen geben, jedoch haben es nicht nur die Opfer und deren Angehörigen, sondern auch die derzeit in der Schusslinie stehenden möglichen Verantwortlichen verdient, dass die Untersuchungen objektiv und ordentlich durchgeführt werden. Und das nicht nur, um künftig solche furchtbaren Katastrophen verhindern zu helfen.