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aus dem Eventrecht

Todesfall im Freizeitpark

Von Thomas Waetke 19. Juli 2010

In einem Freizeitpark in Barcelona (Spanien) ist eine Besucherin ums Leben gekommen, als ein Arm eines 25 Meter langes Riesenpendels gebrochen war und die Gondel abstürzte. Dabei wurden auch zwei weitere Besucherungen schwer verletzt. Die alarmierte Feuerwehr benötigte 2 Stunden, um die Besucherinnen aus der Gondel zu befreien. Nach Angaben des Parks soll das Fahrgeschäft, dessen Gondeln 38 Meter hoch schwingen und dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h erreichen können, erst kürzlich überprüft worden sein.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Rein rechtlich betrachtet – und das menschliche Schicksal außen vor gelassen – kann nun (nach deutschem Recht) folgendes passieren:

Strafrechtlich:

Es würde die Staatsanwaltschaft ermitteln, ob der Straftatbestand der vorsätzlichen oder fahrlässigen Körperverletzung und auch der vorsätzlichen oder fahrlässigen Tötung erfüllt wären. Hier würde gegen den Betreiber des Parks bzw. des Fahrgeschäfts und gegen verantwortliche Mitarbeiter ermittelt werden. 

Zivilrechtlich:

Hier ginge es um Schadenersatz der verletzten Besucher und der Hinterbliebenen der Verstorbenen.

  • Ansprüche aus dem Besuchervertrag: Es wäre zu prüfen, ob der Parkbetreiber (= Vertragspartner des Besuchers) eine Vertragspflicht verletzt hat, bspw. die sorgfältige Prüfung und Instandhaltung der Fahrgeschäfte (siehe § 280 BGB).
  • Ansprüche aus einem gesetzlichen Schuldverhältnis: Neben den vertraglichen Ansprüchen gibt es die Ansprüche aus dem so genannten Deliktsrecht bzw. dem Recht der unerlaubten Handlung ( § 823 BGB): Wer vorsätzlich oder fahrlässig fremdes Leben und Gesundheit verletzt, macht sich schadenersatzpflichtig. Siehe auch unseren Beitrag in den FAQ hier.
  • Sofern nicht der Parkbetreiber selbst gehandelt hat, muss er ggf. für seine Gehilfen gerade stehen (vgl. den „Erfüllungsgehilfen“ in § 278 BGB und den „Verrichtungsgehilfen“ in § 831 BGB).
  • Im Idealfall besteht eine Haftpflichtversicherung, die den Schaden reguliert.

Fahrlässig handelt man im übrigen, wenn man die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht lässt. Wenn der Schaden also vorhersehbar und vermeidbar war (aber nicht gewollt), dann ist er fahrlässig verursacht.

Vorsätzlich handelt man, wenn man den Schadenseintritt will. Vorsatz ist aber auch schon dann zu bejahen, wenn man sich sagt: „Das wird schon gutgehen!“. Im Vorsatzfall ist nicht nur die Strafe höher, sondern es entfällt auch der Versicherungsschutz!

Tipp von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wer die Arbeit durch Gehilfen erledigen lässt, muss für deren Fehlverhalten gerade stehen. Lediglich dann, wenn es sich bei dem Gehilfen „nur“ um einen so genannten Verrichtungsgehilfen handelt, hat man die Möglichkeit, sich der Haftung zu entziehen: Man muss dann aber beweisen, dass man den Gehilfen sorgfältig ausgewählt hat. Kann man das nicht beweisen, haftet man in voller Höhe für das Handeln des Gehilfen (siehe § 831 Absatz 1 BGB) .

  • Ohne die Thematik „Gehilfen“ weiter auszuführen: Achten Sie stets auf die sorgfältige Auswahl von Mitarbeitern und Subunternehmern und beobachten ihn, ob er auch sorgfältig arbeitet. Dann kann es nämlich sein, dass Sie unter gewissen Umständen nicht für dessen Fehlverhalten verantwortlich wären.
  • Sorgen Sie für klare Anweisungen, damit deutlich ist, wer für was zuständig ist und ein Schaden nicht etwa schon durch ein Zuständigkeitswirrwarr entsteht.
  • Prüfen Sie insbesondere vor der Delegation von Aufgaben an Arbeitnehmer, ob diese der Aufgabe gewachsen sind (siehe auch § 7 Arbeitsschutzgesetz).
  • Melden Sie einen Schadensfall stets unverzüglich Ihrer Versicherung, damit Ihnen später die Versicherungsleistung nicht allein wegen der verspäteten oder unterlassenen Schadensmeldung verweigert wird – selbst wenn Sie im Zeitpunkt des Schadens nicht wissen, ob die Versicherung diesen Schaden abdeckt oder nicht.