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aus dem Eventrecht

Todesfall bei Clubmeisterschaft

Von Thomas Waetke 13. November 2012

Bei einer in Meisterschaft eines Motorsportclubs am Samstag in Berchtholding (Bayern) ist ein Teilnehmer tödlich verunglückt, als er mit seinem Fahrzeug von der Strecke abkam und einen 50 Meter hohen Abhang herabstürzte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Grundsätzlich treffen natürlich auch den Veranstalter von Sport- und Vereinsveranstaltungen die so genannten Verkehrssicherungspflichten: Er muss also das Erforderliche und Zumutbare tun, damit den Besuchern und Teilnehmern nichts passiert.

1.) Verkehrssicherungspflichten gegenüber Teilnehmern

Allerdings darf er davon ausgehen, dass der Teilnehmer seine Leistungsfähigkeit grundsätzlich selbst einschätzen kann, jedenfalls soweit es sich nicht bspw. um Extremwettbewerbe oder um teilnehmende Kinder handelt – es für den Veranstalter also erkennbar ist, dass sich ein Teilnehmer überschätzen und dabei sein Leben aufs Spiel setzen kann.

Im Jahr 2008 starben beim “Zugspitz-Lauf” zwei Teilnehmer kurz vor dem Ziel an Unterkühlung, neun weitere wurden leicht verletzt. Der Veranstalter wurde deswegen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen aber freigesprochen: Nach Auffassung des Gerichts überwog die so genannte „eigenverantwortliche Selbstgefährdung“ der Teilnehmer, die offenbar in zu leichter Kleidung gestartet waren. Das Gericht hatte bei einer umfangreichen Beweisaufnahme festgestellt, dass der Veranstalter die Teilnehmer ausreichend informiert und gewarnt hatte. Die beiden Verunglückten hatten sich dann aber eigenverantwortlich für zu leichte Kleidung entschieden.

Der Grundsatz: Je größer die Gefahr für den Besucher/Teilnehmer, desto höher sind die Pflichten des Veranstalters an seine Warnung und Aufklärung. Allerdings muss der Veranstalter nicht für jedes Fehlverhalten der ausreichend aufgeklärten Teilnehmer gerade stehen.

Eine Ausnahme mag gelten, wenn es sich um Kinder handelt oder erkennbar ist, dass der Teilnehmer die Aufklärung nicht verstanden hat oder die Gefahr überhaupt nicht erkennen kann. Das Problem ist dabei häufig die Fremdsprache oder ein verspätetes Eintreffen des Teilnehmers. Hier muss der Veranstalter ggf. durch mehrsprachige Hinweisblätter bzw. eine Nachholung der Aufklärung sorgen – und natürlich für den Beweis, dass er überhaupt aufgeklärt hat (z.B. sich eine Unterschrift geben lassen).

Der Veranstalter sollte sich hüten, pauschal für seine Veranstaltungsart hierzu eine Aussage zu treffen: Jede Veranstaltung ist anders, jedes Gelände ist unterschiedlich usw. Der Veranstalter muss daher im Einzelfall prüfen, ob und wie er seine Teilnehmer aufklären bzw. auch aktiv schützen muss. Allem voran geht dabei die Frage, ob die Sportstätte überhaupt geeignet ist für die geplante Veranstaltung.

2.) Verkehrssicherungspflichten gegenüber Besuchern

Was muss ein Sportveranstalter machen, um seine Zuschauer zu schützen?

„Der Veranstalter eines solchen planmäßig durchgeführten sportlichen Wettkampfes mit öffentlichem Interesse, zu dem Zuschauer gegen Entgelt eingeladen werden, “schafft” die Gefahr, indem er den Zustand, von dem für die Zuschauer eine Gefährdung ausgehen kann, herbeiführt oder andauern lässt. … Die Zuschauer müssen sich darauf verlassen können, dass die normalerweise mit dem Sportbetrieb zusammenhängenden Gefährdungen von ihnen ferngehalten werden.“, so der Bundesgerichtshof zur Verkehrssicherungspflicht bei Sportveranstaltungen.

Beim Eishockey bspw. gibt es u.a. eine DIN-Norm, die besagt, wie hoch und aus welchem Material die Glaswand um das Spielfeld zu sein hat, um Zuschauer zu schützen. Entspricht die Wand der DIN-Norm, kann dem Veranstalter jedenfalls im Regelfall kein Vorwurf mehr gemacht werden, wenn der Puck darüber fliegt.

Bei einem Motorsport-Event müsste der Veranstalter also prüfen, wie wahrscheinlich es ist, dass das Fahrzeug von der Strecke abkommt und in Zuschauer fährt. Das dies ein nicht zu unterschätzendes Szenario ist, belegen die vielen Unfälle, zuletzt in Tschechien mit vier Toten.