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237/17 Tickets gegen Fanliebe?

237/17 Tickets gegen Fanliebe?

Von Thomas Waetke 28. August 2017

In den USA sorgt aktuell ein Ticketverkauf der besonderen Art für Furore: Für die neue Tour einer US-Sängerin kann man Eintrittskarten kaufen. Wie so oft muss man sich dabei in virtuelle Warteschlangen einreihen. Allerdings kann man die Position dieser Warteschlange beeinflussen, in dem man “Fan-Punkte” sammelt: Je mehr Fan-Aktionen man macht, desto mehr Punkte gibt es. So gibt es bspw. einen Punkt, wenn man Plakate fotografiert und hochlädt. Der Haken: Die meisten Punkte gibt es, wenn man Merchandise-Artikel der Sängerin kauft. Auch kann der Fan bis 13 mal das neue Album vorbestellen (und auch bezahlen). Der zweite Haken: Eine Garantie, dass man Tickets bekommt, gibt es nicht; anscheinend steigert man mit möglichst vielen Punkten nur die Chancen, überhaupt Eintrittskarten kaufen zu können.

Grundsätzlich bleibt es jedem Veranstalter vorbehalten, seine Bedingungen für den Vertragsschluss zu bestimmen wie er möchte. Die Grenzen ergeben sich aus dem AGB-Recht und “Treu und Glauben”.

Problematisch könnte derlei Marketinaktion (zumindest nach deutschem Recht) schon sein, wenn die Klauseln für den Ticketkauf nicht eindeutig formuliert sind. Würde also der Eindruck erweckt werden, dass derjenige Tickets bekommt, der mehr Punkte hat als die anderen, dann könnte das schon rechtswidrig sein: Wenn nämlich tatsächlich gar nicht “transparent” nachvollziehbar ist, wann man denn nun wirklich realistische Chancen hat, ein Ticket zu erhalten. Solche Aktion riechen meist danach, dass eher der Absatz von Merchandise-Artikeln im Vordergrund steht. Das kann auch wettbewerbsrechtlich fragwürdig sein, wenn dadurch das Kaufverhalten unredlich beeinflusst wird.

Das Ganze wäre spätestens dann rechtswidrig, wenn systemseitig eine Nachfrage geriert wird, die so gar nicht besteht. In vielen Portalen finden sich bekanntlich reißerisch gestaltete Hinweise wie “nur noch 1 Ticket” oder “150 Personen schauen sich das Ticket an”, um den Absatz zu fördern.

Das Argument, dass mit einem solchen Verkaufstrick verhindert werden könne, dass die Tickets ansonsten von Schwarzmarkthändlern aufgekauft und überteuert wieder auf den Markt geworfen würden, ist zwar nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Das aber befreit den Veranstalter nicht davon, sich selbst rechtmäßig zu verhalten.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Ticket-Rolle: © pixelrobot - Fotolia.com