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aus dem Eventrecht

Ticketkäufer hat keinen Anspruch auf Ersatz von zerstörten oder verlorenen Tickets

Von Thomas Waetke 11. August 2011

Das Oberlandesgericht München hat entschieden, dass die bei Vermittlungsverträgen für Veranstaltungstickets verwendete Klausel „Dem Kunden abhanden gekommene oder zerstörte Tickets werden nicht ersetzt oder zurückerstattet“ wirksam ist.

Die Wirksamkeit von AGB muss sich an der gesetzlichen Wertung des § 307 BGB messen lassen: Die Klausel darf den Kunden also nicht unangemessen benachteiligen.

Die Klausel besteht aus zwei Bestandteilen:

  1. Abhanden gekommene Tickets
  2. Zerstörte Tickets

1.) Prüfung des Bestandteils „Abhanden gekommene Tickets“

Wenn der Käufer sein Ticket verliert oder es ihm gestohlen wird, könnte ein Dritter das Ticket gutgläubig erwerben. Der Veranstalter muss bei nicht-personalisierten Eintrittskarten grundsätzlich denjenigen hereinlassen, der das Ticket in der Hand hat.

Der Käufer kann einen Ersatz seines verlorenen oder gestohlenen Tickets nicht verlangen, da ansonsten der Veranstalter das Risiko hätte, dass er zu viele Besucher einlässt: Nämlich den Käufer (der das Ticket nicht mehr hat, aber vielleicht den Kauf beweisen kann) und den derzeitigen Besitzer des Tickets, der rechtlich einen Anspruch auf Einlass hat.

2.) Prüfung des Bestandteils „Zerstörte Tickets“

Im Prozess ging es (auch) um die Frage, was unter „zerstört“ zu verstehen wäre. Würde man nur vom Wortlaut ausgehen, so könnte auch eine äußerst geringfügige „Zerstörung“ ausreichen, dem Besucher den Zutritt zu verwehren – bspw. wenn oben rechts ein Quadratmillimeter fehlt; so jedenfalls hatte der Kläger argumentiert.

Das Oberlandesgericht aber hat richtigerweise entscheiden, dass es auf die normalerweise beteiligten Verkehrskreise ankomme: Also den normal vernünftigen Besucher. Und der würde unter „Zerstörung“ vernünftigerweise nur solche Beschädigungen verstehen, die so erheblich sind, dass wesentliche Merkmale des Tickets nicht mehr erkennbar seien (z.B. ausgerechnet der Abschnitt des Tickets mit Ort und Spielzeit fehlt).

Damit sei die Klausel nicht mehrdeutig (denn das dürfen AGB nicht sein).