Aktuelles

Teilnahme des Besuchers trotz bekannter Risiken

Teilnahme des Besuchers trotz bekannter Risiken

Von Thomas Waetke 10. September 2018

Wie kürzlich berichtet, wurde in Spanien ein Mann verletzt, als er von einer rollenden 250 kg schweren Plastikkugel verletzt wurde. Das Spektakel in der nordspanischen Stadt hatte irgendwann auf den traditionellen Einsatz von Stieren verzichtet, nun wird eine Kunstharzkugel eine Straße hinuntergerollt. Der Mann wurde schwer am Kopf verletzt.

Der Veranstalter hatte sich offenbar bewusst gegen eine Helmpflicht entschieden: Man befürchte, dass sich die Teilnehmer dann zu sicher fühlen und übermütig werden könnten. Den Teilnehmern werde vor dem Start erklärt, sie sollen sich auf den Boden legen und sich von der Kugel einfach überrollen lassen, wenn sie nicht mehr davon laufen könnten. Der verletzte Teilnehmer soll aber nach Zeugenangaben einfach stehen geblieben sein, er war wohl “vor Schreck erstarrt” und wurde von der Kugel gegen eine Sicherheitsabsperrung gedrückt.

Würde ein Haftungsausschluss helfen?

Viele Veranstalter arbeiten mit schriftlichen Hinweisen nach dem Motto: Der Teilnehmer nimmt auf eigenes Risiko teil.

Solche pauschalen Haftungsausschlüsse sind grundsätzlich aber weder sonderlich hilfreich noch wirksam.

Es fehlt bspw. ein konkreter Risikohinweis: Der Teilnehmer weiß ja durch diese Information ggf. noch gar nicht, was das besondere Risiko bei der Teilnahme sein könnte. Daher muss der Veranstalter auch diese Risiken grundsätzlich konkret benennen, d.h.

  • die Gefahren, z.B. Stolperstellen, Lärm, Gewichte usw.
  • und die möglichen Folgen, die sich durch ein verständliches Fehlverhalten ergeben können (allerdings so deutlich formuliert, dass der Teilnehmer auch weiß, was passieren könnte).

Es darf sich dabei aber nur um solche Gefahren/Risiken handeln, die der Veranstalter naturgemäß nicht durch rechtskonforme Organisation ausschließen kann. Umgekehrt muss der Veranstalter aber nicht solche Risiken benennen, die unschwer erkennbar und beherrschbar sind. Ein Beispiel: In einem modernen Kongresszentrum gibt es eine Treppe, die problemlos sichtbar und begehbar ist. Vor dieser Gefahrenstelle “Treppe” muss also nicht gewarnt werden.

Denn nur mit klaren Hinweisen kann der Teilnehmer einschätzen, ob er angesichts der Gefahren und Risiken trotzdem teilnehmen möchte oder nicht. Entscheidet er sich dann dafür, dann

  • ist der Veranstalter “nur” noch dafür verantwortlich, die Veranstaltung rechtskonform zu organisieren,
  • muss der Veranstalter dafür sorgen, dass sonstige Gefahren durch eine ordentliche Organisation abgedeckt sind und bleiben
  • trägt der Teilnehmer das Restrisiko, also ein erhöhtes Lebensrisiko, das er nun aber mehr oder weniger bewusst eingeht.

Beispiele:

Der Veranstalter organisiert einen Outdoor-Hindernis-Parcours. Dabei laufen die Teilnehmer “über Stock und Stein”, und durchqueren auch einen künstlich angelegten und mit Folien ausgelegten Tümpel. Ein Teilnehmer stolpert über eine Falte in den Folien. Der Veranstalter haftet dann nicht, wenn der künstliche Tümpel erkennbar den natürlichen Begebenheiten nachempfunden werden sollte. Der Teilnehmer muss sich dann entsprechend vorsichtig bewegen.

Oder eben das Beispiel mit der Kugel: der Veranstalter gibt Tipps, wie man sich im Falle einer möglichen Kollision mit der Kugel verhalten soll. Außerdem kann sich der durchschnittlich aufmerksame Mensch denken, dass eine rollende große Kugel ein Problem werden kann, wenn man von ihr getroffen wird. Außerdem muss ja nicht jeder Zuschauer zwangsläufig vor der Kugel weglaufen, da sich die Kugel nur in vorgegebenen Bahnen bewegt, also einer abgesperrten Straße. Wer an solch einer Veranstaltung aktiv teilnimmt, erhöht sein Lebensrisiko und ist grundsätzlich selbst verantwortlich.

In diesem Beispiel könnte eine Anforderung an den Veranstalter sein, dass er verhindert, dass Zuschauer versehentlich auf die “schiefe Bahn” (:-)) geraten, also plötzlich der Kugel im Weg stehen, ohne das vorher erkennen zu können. Ebenso, dass die weglaufenden Teilnehmer nicht durch unnötige Hindernisse auf der Straße gestört werden, ohne dass sie vorher darauf hingewiesen würden.

Sie planen eine außergewöhnliche Veranstaltung? Ein Trip in das Packeis, eine Radtour in die Berge, eine Wanderung durch tiefe Schluchten usw.? Oder ein Seifenkisten-Rennen, Fallschirmsprünge und anderes, was ersichtlich nicht völlig ungefährlich ist?

Wir beraten unsere Mandanten bei der Planung, der Abwägung bei Verkehrssicherungspflichten, der Gestaltung von Gefahrenhinweisen und Verträgen mit örtlichen Anbietern oder Guides. Nehmen Sie gerne unverbindlich Kontakt mit mir auf: info@eventfaq.de oder Telefon 0721-120 50 60, oder nutzen Sie unsere Onlineberatung Frag den Anwalt.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Pylonen stehen im Halbkreis: © djama - Fotolia.com