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aus dem Eventrecht

Taschenpfändung bei Schlagerstar nach seinem Auftritt

Von Thomas Waetke 24. März 2014

Nach einem Auftritt eines bekannten Schlagersängers im bayerischen Mainburg erschien vor dem Hotel der Gerichtsvollzieher: Der Sänger schuldet seiner Ex-Frau Unterhalt in Höhe von ca. 150.000 Euro. Der Gerichtsvollzieher nahm eine so genannte Taschenpfändung vor: Der Sänger musste das Geld abgeben, was er bei sich trug – das waren aber gerade mal ca. 60 Euro.

Bei der Taschenpfändung benötigt der Gläubiger einen vollstreckbaren Titel (z.B. ein Gerichtsurteil). Anstatt in ein Bankkonto zu pfänden, kann man auch eine Taschenpfändung vornehmen. Der Gerichtsvollzieher zieht dann los und lässt sich das herausgeben, was der Schuldner in der Tasche hat – Voraussetzung: Bei der Taschenpfändung kann damit gerechnet werden, dass die Pfändung auch Erfolg hat und es besteht die Besorgnis, dass der Schuldner Wertgegenstände oder Geld an sich trägt, um die Zwangsvollstreckung auf sein Konto oder in seiner Wohnung zu vereiteln. Damit kann der Gerichtsvollzieher den Schuldner auch durchsuchen.

Bei Künstlern ist es natürlich denkbar, dass der Künstler nach seinem Auftritt eine Barauszahlung für seine Gage erhält. Und auf dieses Geld kann der Gerichtsvollzieher dann zugreifen.

Eine solche Taschenpfändung hatte einmal für Aufsehen in Österreich gesorgt: Hier stürmte der Gerichtsvollzieher in Begleitung mehrerer Polizeibeamte in eine Hochzeit – gerade als die Hochzeitsgäste traditionsgemäß das Bargeld als Geschenk an das Brautpaar übergaben. Der Grund: Der Bräutigam schuldete seinem Ex-Geschäftspartner noch mehrere zehntausend Euro. Natürlich mag das für die Hochzeitsfeier alles andere als schön sein, nur: Wenn ein Schuldner nicht zahlen will, dann muss ja deswegen der Gläubiger nicht tatenlos warten. Im Regelfall – bevor ein Gerichtsvollzieher ins Spiel kommt – hat es ja bereits zuvor außergerichtliche Auseinandersetzungen gegeben und den Gerichtsprozess. Ein Schuldner hat also grundsätzlich genug Zeit, eine Einigung mit dem Gläubiger herbeizuführen, wenn er die Forderung nicht auf einmal bezahlen will.